Schwerpunkte der Arbeit der Stiftung sind eine werteorientierte Bildung auf Grundlage des christlichen Menschenbildes, die ganzheitliche Förderung junger Menschen sowie die Verbindung von fachlichem Lernen, sozialem Engagement und gelebter Gemeinschaft. Ein besonderer Fokus liegt auf individueller Förderung und verlässlichen Bildungswegen.
2003
3.300 Schülerinnen und Schüler
350
Kaufmännischer Vorstand der Edith-Stein-Schulstiftung Kaufmännischer Vorstand der Edith-Stein-Schulstiftung
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Nachhaltiger Neubau
Nach über 15 Jahren in Übergangsräumen erhält die St. Mauritius‑Sekundarschule nun ein eigenes Gebäude. Was bedeutet dieser Schritt für die Schulgemeinschaft – und für die Edith‑Stein‑Schulstiftung insgesamt?
Der Neubau ist für unsere Schulgemeinschaft ein echter Meilenstein. Über viele Jahre hinweg hat sich die Schule in angemieteten und provisorischen Räumen sehr gut entwickelt. Langfristig brauchte es dafür aber eine eigene, verlässliche Perspektive. Mit dem Neubau schaffen wir nun stabile Rahmenbedingungen. Das stärkt die Schule in ihrer Entwicklung und gibt ihr den Raum, den sie für ihre Arbeit braucht. Für uns als Schulstiftung ist der Neubau ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung unseres Bildungsauftrags und zugleich ein klares Bekenntnis zum Bildungsstandort Halle (Saale). Hier bilden die St. Franziskus-Grundschule, die St. Mauritius-Sekundarschule und das Elisabeth-Gymnasium gemeinsam das Katholische Schulzentrum, in dem die Schulen eng zusammenarbeiten und Bildung schulformübergreifend gemeinsam gestalten.
Der Neubau ist mit rund 15,4 Millionen Euro eines der größten Projekte der Stiftung und wird vollständig aus Eigen- und Kreditmitteln finanziert. Was war Ihnen bei der Finanzierung wichtig?
Im Mittelpunkt stand für uns die langfristige Verantwortung, also die Frage, wie wir Bau und Betrieb verlässlich sichern können. Wir investieren nicht nur in ein Gebäude, sondern in einen Schulbetrieb, der dauerhaft stabil funktionieren muss. Deshalb haben wir großen Wert auf eine solide und tragfähige Finanzierung gelegt und von Anfang an auch die langfristigen Betriebskosten im Blick behalten. Gleichzeitig war uns wichtig, dass sich unser Anspruch an nachhaltiges Bauen auch wirtschaftlich sinnvoll umsetzen lässt. Dass wir den Neubau vollständig aus Eigen- und Kreditmitteln realisieren, ist Ausdruck unseres Vertrauens in die Entwicklung des Standorts – und unserer Überzeugung, dass diese Investition in Bildung richtig und zukunftsfähig ist.
Die Schule wird in Holz-Lehm-Bauweise errichtet und soll CO₂ neutral betrieben werden. Warum passt dieses Baukonzept besonders gut zum Selbstverständnis der Edith-Stein-Schulstiftung?
Für uns gehört das unmittelbar zusammen: Bildung und Verantwortung für die Zukunft. Deshalb war früh klar, dass wir beim Bau nicht nur funktional denken, sondern auch den Umgang mit Ressourcen mit in den Blick nehmen. Ich bin überzeugt, dass wir diese Verantwortung gerade an einem Ort, an dem junge Menschen lernen und geprägt werden, auch konkret zeigen müssen. Mit der Holz-Lehm-Bauweise und dem Ziel der CO₂-Neutralität setzen wir dieses Verständnis konsequent um. So entsteht ein Gebäude, das Nachhaltigkeit nicht nur vermittelt, sondern im Alltag erlebbar macht. Für uns ist die Verwendung von Holz und Lehm auch Fortführung der Schöpfungsgeschichte und darin beschriebenen Verantwortung, der Verantwortung gegenüber unserer Erde. Der Mensch soll die Erde bebauen und bewahren“. Das Bauen mit Lehm und Holz ist genau Ausdruck dieser Verantwortung. Wir nutzen nachwachsende Materialien und vermeidet die starke Belastung der Umwelt. So wird das Bauen selbst zu einem Akt der Bewahrung der Schöpfung.
Lehm und Holz stehen für regionale Bautraditionen, natürliche Materialien und ein gesundes Raumklima. Welche Wirkung erhoffen Sie sich davon für das tägliche Lernen und Arbeiten in der Schule?
Wir erwarten eine Lernumgebung, die sich spürbar positiv auf Konzentration und Wohlbefinden auswirkt. Holz und Lehm tragen zu einem ausgeglichenen Raumklima bei, indem sie Temperatur und Feuchtigkeit regulieren und so gute Bedingungen für den Schulalltag schaffen. Die Speichermasse des Lehms sorgt zudem dafür, dass sich Räume weniger schnell aufheizen oder auskühlen, während die Materialien insgesamt auch zu einer angenehmen Raumakustik beitragen. Gleichzeitig haben diese Materialien eine besondere Ausstrahlung. Sie vermitteln Ruhe und Wertigkeit und machen die Schule zu einem Ort, an dem man sich gerne aufhält.
Das Gebäude bietet offene Lernlandschaften, Fachräume und Werkstätten für naturwissenschaftlich‑technische und kreative Fächer. Wie unterstützt die Architektur das pädagogische Konzept der Schule?
Die Architektur ist bewusst so angelegt, dass sie unterschiedliche Lernformen unterstützt. Offene Lernlandschaften ermöglichen eigenständiges Arbeiten ebenso wie gemeinsames Lernen und schaffen Raum für neue Unterrichtsformate. Gleichzeitig bieten Fachräume und Werkstätten die Voraussetzungen für praxisorientiertes und vertiefendes Lernen, insbesondere in naturwissenschaftlichen und kreativen Bereichen.
So spiegelt sich unser pädagogischer Ansatz auch in den Räumen wider: Lernen soll eigenverantwortlich und praxisnah stattfinden. Die Architektur schafft dafür bewusst die passenden Bedingungen und eröffnet zugleich die notwendige Flexibilität für unterschiedliche Lernwege.
Der Neubau ist Ergebnis enger Zusammenarbeit von Stiftung, Architekturbüros, Fachplanern, einer Fachbank und regionalen Handwerksbetrieben. Was hat dieses Projekt aus Ihrer Sicht besonders erfolgreich gemacht?
Ein entscheidender Erfolgsfaktor war und ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten. Unterschiedliche Kompetenzen aus Planung, Finanzierung und Umsetzung greifen hier sehr gut ineinander. Ich erlebe den Prozess insgesamt als sehr konstruktiv und lösungsorientiert. Besonders wichtig ist dabei das gemeinsame Verständnis für das Ziel sowie die enge Abstimmung zwischen den Beteiligten.
Prägend ist zudem die starke regionale Einbindung vieler Partner. Langjährige Zusammenarbeit und gewachsenes Vertrauen tragen wesentlich dazu bei, dass das Projekt verlässlich und zielgerichtet umgesetzt werden kann.
Welche Erfahrungen aus diesem Bauvorhaben möchten Sie künftig auch auf andere Schulprojekte der Stiftung übertragen? Welchen vielleicht überraschenden Hinweis würden Sie anderen Trägern geben, die sich mit ähnlichen Projekten beschäftigen?
Eine zentrale Erfahrung ist für uns, wie wichtig eine klare Zielvorstellung ist. Sie gibt Orientierung und erleichtert viele Entscheidungen, gerade wenn im Projektverlauf unterschiedliche Anforderungen zusammenkommen. Gleichzeitig zeigt sich, welchen Wert verlässliche Partnerschaften über den gesamten Projektverlauf hinweg haben. Sie schaffen die Grundlage dafür, dass ein solches Vorhaben auch in seiner Komplexität gut umgesetzt werden kann. Unser Rat an andere Träger ist, den Mut zu haben, neue Wege zu gehen. Gerade im nachhaltigen Bauen übernehmen wir damit Verantwortung für die Zukunft. Unsere Erfahrung ist dabei auch, dass nachhaltiges Bauen nicht grundsätzlich teurer sein muss als konventionelle Lösungen. Es erfordert an manchen Stellen mehr Abstimmung und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren, zahlt sich aber langfristig aus und eröffnet neue Perspektiven für künftige Bauprojekte.
Die ersten Klassen sollen zum Schulhalbjahr 2026/2027 einziehen. Welche Botschaft möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die an diesem Ort lernen, Verantwortung übernehmen und ihre Zukunft gestalten werden?
Ich würde mir wünschen, dass die Schülerinnen und Schüler diesen Ort bewusst wahrnehmen und für sich nutzen. Dieses Gebäude ist nicht zufällig so entstanden, sondern Ausdruck einer Haltung. Es zeigt, dass es möglich ist, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft aktiv zu gestalten. Genau das möchte ich auch den jungen Menschen mitgeben: Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern sie mitzugestalten. Eigene Wege zu gehen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Für sich selbst und für ihr Umfeld. Die Herausforderungen der Zukunft werden nicht kleiner. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen lernen, mutig zu sein, sich einzubringen und ihre Möglichkeiten zu nutzen.