Alzheimer Gesellschaft München

Die Alzheimer Gesellschaft München unterstützt Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen durch Beratung, Informationen und vielfältige Entlastungsangebote. Außerdem stärkt sie Selbsthilfe und engagiert sich für mehr Verständnis und Akzeptanz in der Öffentlichkeit.

Kurz und kompakt
Über den Verein

Die Alzheimer Gesellschaft München unterstützt Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, indem sie Beratung, Informationen und vielfältige Unterstützungsangebote bereitstellt. Dazu gehören u. a. Angehörigengruppen, Vortragsreihen, Betreuungsangebote und ein familienentlastender Dienst, die Betroffene im Alltag begleiten. Zudem entwickelt die Alzheimer Gesellschaft München kontinuierlich neue Projekte, wirkt in Gremien mit und engagiert sich in Politik und Verbänden.

Gründungsjahr

1986

Zahl der Mitarbeitenden

Acht professionelle Mitarbeitende und 50 ehrenamtlich Helfende

Tobias Bartschinski, Geschäftsführer der Alzheimer Gesellschaft München e.V
"Stress ist ein Faktor, der die Demenz verstärken und verschlimmern kann."
Alzheimer

Alzheimer Gesellschaft München

In Deutschland leben zurzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Für Betroffene und deren Familien bedeutet die Diagnose einen tiefen Einschnitt. Bei der Suche nach einer angemessenen Unterstützung waren sie lange auf sich allein gestellt. Das änderte sich 1986, als Angehörige und Expert*innen in München die erste Alzheimer Gesellschaft Deutschlands gründeten. 

Alles begann mit einer Telefonberatung durch ehrenamtlich tätige Angehörige, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit anderen teilen wollten. 1987 wurden Unterstützungsangebote für Familien ins Leben gerufen, gefolgt von ersten Informationsbroschüren und öffentlichen Vorträgen. Mit der Zeit kamen weitere Angebote hinzu wie Außensprechstunden, Gesprächsgruppen und Fortbildungen. 

In diesem Jahr feiert die Alzheimer Gesellschaft München nicht nur ihr 40-jähriges Bestehen, sondern erreichte beim Gewinnspiel „GemeinwohlInvest“ der SozialBank auch den zweiten Platz. „Das Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro kommt Menschen mit Demenz im frühen Stadium der Erkrankung zugute“, sagt Tobias Bartschinski, Geschäftsführer der Alzheimer Gesellschaft München. Zur Förderung der Teilhabe sind aktive Ausflüge innerhalb von München und im gesamten Freistaat Bayern geplant. 

Persönliches Mitwirken erwünscht

Das Ziel des Vereins besteht primär darin, das Selbsthilfepotenzial von Menschen mit Demenz und ihres sozialen Umfelds mittels bedarfsgerechter Angebote zu stärken. „Deshalb“, unterstreicht Bartschinksi, „legen wir großen Wert auf ihr persönliches Mitwirken.“ Die Wünsche und biografischen Prägungen der Klient*innen sind für das Team handlungsleitend. Aus diesem Grund wird das Angebotsspektrum kontinuierlich angepasst.

Zusätzlich setzen sich die Mitarbeitenden und die Mitglieder des Vorstandes dafür ein, dass die Belange der Betroffenen in der Öffentlichkeit noch mehr Gehör finden. Zu diesem Zweck engagieren sie sich zahlreichen Gremien, zum Beispiel in der Münchner Arbeitsgemeinschaft Gerontopsychiatrie (marge) und im Netzwerk Gesundheitsberatung München. 

„Die Strukturen der einzelnen Alzheimer Gesellschaften“, erläutert Tobias Bartschinski, „unterscheiden sich ebenso wie ihre Angebote.“ So ist etwa die Alzheimer Gesellschaft in Augsburg ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis tätig. Dagegen besteht das Team der Alzheimer Gesellschaft München inzwischen aus acht professionellen Mitarbeitenden und 50 ehrenamtlich Helfenden, die vor ihren Einsätzen eine 40-stündige Schulung absolvieren. 

Flexibler Zugang zu Beratungsgesprächen

Gerade zu Beginn einer Demenz ist der Bedarf an Informationen besonders groß. Denn Symptome wie ein nachlassendes Kurzzeitgedächtnis, Wortfindungsstörungen oder Orientierungsprobleme nehmen die Betroffenen häufig noch sehr bewusst wahr. Entsprechend groß ist die Verunsicherung. 

Im Rahmen der kostenlosen und unabhängigen Beratungsgespräche der Alzheimer Gesellschaft München ist es möglich, Ängste und Sorgen zur Sprache zu bringen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Beratung erfolgt sowohl telefonisch bzw. virtuell als auch in der Geschäftsstelle, in der Häuslichkeit oder in einigen Alten- und Service-Zentren.

Wissensvermittlung, Vernetzung und Begleitung

Wie soll man sich verhalten, wenn ein Mensch mit Demenz immer wieder die gleiche Frage stellt, ungewohnte Aggressionen entwickelt oder wiederholt nachts umherwandert? Antworten auf solche Fragen bietet das Angehörigenseminar „Hilfe beim Helfen“. Es vermittelt fundierte Informationen zum Krankheitsbild, zum Umgang mit der betroffenen Person, aber auch zu rechtlichen und finanziellen Aspekten.

Darüber hinaus hilft die Angehörigenschulung „EduKation Demenz“ den Teilnehmenden dabei, ihre neue Rolle als Betreuungsperson anzuerkennen und schwierige Alltagssituation besser zu meistern. Eine positive Wirkung auf das Belastungsempfinden dieses Angebots wurde wissenschaftlich nachgewiesen. 

Im Rahmen der monatlichen Treffen des Angehörigenclubs können sich die Teilnehmenden mit anderen Angehörigen austauschen und vernetzen. Es handelt sich hierbei stets um Präsenzveranstaltungen. Dagegen finden die Angehörigentreffs, die sich vor allem an Kinder von Menschen mit Demenz richten, abwechselnd virtuell und analog statt. 

Wer einen Menschen mit Demenz versorgt, ist häufig gezwungen, eigene Bedürfnisse zurückzustellen. In solchen Fällen können geschulte Ehrenamtliche die häusliche Begleitung übernehmen und dadurch für Entlastung sorgen. Sie stehen den Familien wöchentlich für zwei bis drei Stunden zur Verfügung. Zu ihren Aktivitäten, für die sie eine Aufwandsentschädigung erhalten, gehören Spaziergänge, Museumsbesuche oder Gespräche. 

Jüngere Menschen mit Demenz im Fokus

Immer häufiger wird die Diagnose zu einem sehr frühen Zeitpunkt gestellt. Folglich steigt die Zahl demenziell erkrankter Menschen, die jünger sind als 65 Jahre. Nach Informationen des Dachverbands der Alzheimer Gesellschaften trifft dies in Deutschland auf rund 106.000 Menschen zu. Das sind fast 6 Prozent der Betroffenen. Für sie gibt es zielgruppenspezifische Angebote, die von der Alzheimer Gesellschaft München bereits seit 16 Jahren initiiert und weiterentwickelt werden. 

Zu den Demenzformen, von denen vor allem Jüngere betroffen sind, zählen die Frontotemporale Demenz und die Lewy Körper Demenz. „Doch auch Alzheimer kann bereits in jungen Jahren auftreten“, berichtet Tobias Bartschinski. 

Was besonders herausfordernd ist: Oft sind jüngere Menschen mit Demenz noch berufstätig. „Stress ist jedoch ein Faktor, der die Demenz verstärken und verschlimmern kann“, betont Bartschinski. Aus diesem Grund sei es wichtig, die Arbeitsbedingungen adäquat anzupassen. „Hierbei stehen wir auch den Unternehmen beratend zur Seite.“ 

Plädoyer für einen offenen Umgang mit Demenz

Die Fördermittel für diese vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben kommen vom Sozialreferat und Gesundheitsreferat der Landeshauptstadt München sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Zusätzlich erhält der Verein Bußgeldzuweisungen durch das Amtsgericht München sowie Beiträge von Mitgliedern und Spender*innen. 

Insgesamt habe die mediale Aufmerksamkeit zu einer schrittweisen Enttabuisierung der Thematik geführt, resümiert Tobias Bartschinski. Allerdings gebe es noch viel zu tun. Menschen mit Demenz rät er dazu, im Freundes- und Bekanntenkreis offen mit der Diagnose umzugehen. „Dieses Vertrauen ist nötig, damit ein funktionierendes Netzwerk an helfenden Personen bestehen bleibt.“ 

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