12.10

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die Zeit der Ichlinge ist vorbei. Die Menschen sind auf dem Weg zu einem neuen Wir-Gefühl. Diese These vertritt der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski in seinem neuen Buch „Wir! Warum Ichlinge keine Zukunft haben“*. Seit der Jahrtausendwende, insbesondere seit dem 11. September 2011, zeichne sich ein grundlegender Einstellungswandel in der Bevölkerung ab. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe diese Entwicklung noch verstärkt. Den Menschen werde wieder stärker als in den vorhergehenden Jahrzehnten bewusst, dass sie aufeinander angewiesen sind und dass sie sich auf den Staat allein nicht mehr verlassen können. Die Wohlstandsgesellschaft der alten Bundesrepublik habe ihre Kinder in eine ungewisse Zukunft entlassen. Das Lager der Wohlstandsverlierer werde größer und zugleich wachse die Erkenntnis, dass der soziale Zusammenhalt gefährdet ist, wenn Wohlstandseinbußen und damit verbundene Lasten nicht von allen gemeinsam getragen werden. In der Konsequenz daraus zeichnet sich für Opaschowski ein neuer Wertewandel ab:

Zum einen werden das persönliche und soziale Wohlbefinden wieder für wichtiger erachtet als die materielle Wohlstandssteigerung. Im Mittelpunkt stehen die Suche nach neuen Lebensqualitäten und die Sehnsucht nach Sinn. Zum anderen wird eine Wertesynthese zwischen traditionellen und modernen Werten angestrebt. In Bezug auf den Gemeinsinn wird eine Rückkehr der Verantwortung als Antwort auf Verunsicherungen und Vertrauensverluste sichtbar. Das betrifft die Verantwortung für sich selbst ebenso wie die Verantwortung für die Familie, die Freunde, die Nachbarschaft etc. Man muss sich wieder aufeinander verlassen können; die Zeit des Ego-Kults ist vorbei. Dabei scheint sich ein sehr pragmatischer Ansatz durchzusetzen: Es wächst „die Bereitschaft der Bevölkerung zur Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit“.

Damit verbunden entwickelt sich ein neuer Helfertypus. Dieser agiert nicht mehr in erster Linie aus religiöser oder moralischer Verantwortung heraus, sondern lebt und erlebt eine zwanglosere, zeitlich begrenztere, inhaltlich offenere und freiheitlicher geprägte Kultur des Helfens in Form einer Netzwerkstruktur. Immer mehr Bürger besinnen sich auf ihre Eigenverantwortung für das eigene Wohlergehen, aber auch auf ihre Bürgertugenden, d. h. sie wollen sich gegenseitig mehr helfen und sie wollen - und können - nicht alle sozialen Angelegenheiten einfach dem Staat überlassen. „Sie bauen eigenständige soziale Netze auf und solidarisieren sich pragmatisch nach dem Prinzip: Ich helfe dir, damit auch mir geholfen wird. Ich-AG und Wir-Gesellschaft verbinden sich zu einer neuen Bürgerdemokratie.“

Wo und unter welchen Bedingungen diese „kalkulierte Hilfsbereitschaft“ funktionieren kann, insbesondere im Nahbereich von Familie, Freunden und Nachbarschaft oder im Hinblick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen angesichts einer zunehmenden Zahl alter und hilfsbedürftiger Menschen, beschreibt Opaschowski in diesem Buch. Dessen Thesen beruhen auf einer repräsentativen Befragung zu den Werteorientierungen und Lebensgewohnheiten von 2.000 Personen ab 14 Jahren. Zugleich stellt „Wir!“ das Abschlusswerk seiner aktiven Institutstätigkeit dar: Anfang 2011 wird er die Geschäftsführung der Stiftung für Zukunftsfragen abgeben.

Opaschowski prognostiziert, dass eine Ära der Nachhaltigkeit beginnt – auch und gerade im zwischenmenschlichen Bereich. Ohne Sozialromantik: „Das soziale Optimum wird eine pragmatische Solidarisierung sein“, aber mit positivem Ausblick: „Von der neuen Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit profitieren alle.“

Wir wünschen Ihnen einen schönen Jahresabschluss.

Ihre Redaktion

* Murmann-Verlag., Hamburg 2010, 220 S., 19,90 Euro, ISBN 978-3-86774-104-0

Gesundheitswirtschaft

Gute Chancen für Patientenhotels

Ungefähr 50 skandinavische Patientenhotels mit einer durchschnittlichen Auslastung von 80 Prozent lassen auch in Deutschland das Interesse an solchen Einrichtungen wachsen. Die Frage, ob das Modell der Patientenhotels aus Skandinavien auch in Deutschland eine Zukunft haben könnte, beantworten Experten der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche (http://www.deloitte.com/view/de_DE/de/) optimistisch. Auch die Mehrzahl der Befragten, so heißt es in der Deloitte-Studie „Krankenzimmer deluxe“, sehe „beste Entwicklungschancen für ein Patientenhotel im Bereich der Mittelklasse bzw. der gehobenen Kategorie unter dem Management einer Hotelkette und mit Anschluss an ein Privat- bzw. Uniklinikum“.

Entwicklungspotenziale

Die Realisierung von Patientenhotels hänge eng mit der Entwicklung des Gesundheitswesens, des Krankenhausmarktes und mit den demographischen Prozessen zusammen: Als Konsequenz steigender Lebenserwartung werde Gesundheit zu einem immer wichtigeren Gut. Damit wachse die Zahl („nicht nur älterer“) Menschen, die Präventivmaßnahmen ergreifen möchten, um einem Krankwerden vorzubeugen. Zudem verstehe sich der „Patient von heute“ nicht mehr nur als Leistungsnehmer, sondern vielmehr „als Kunde mit entsprechenden Ansprüchen an die Qualität des ´Produktes Gesundheit´“. Mit der Bereitschaft, Gesundheitsleistungen auch aus eigener Tasche zu finanzieren, wüchsen die Ansprüche an das Gesundheitssystem. Die Patientenhotels könnten dazu beitragen, „dass der Patient sich als Kunde fühlt und dennoch Kosten eingespart werden können“. Die Bevölkerungsentwicklung und der Wertewandel scheinen also die Verbreitung von Patientenhotels in Deutschland zu begünstigen.

Da Patienten eine freie Arztwahl haben, seien die Krankenhäuser mehr denn je gefordert, „um ihre Patienten zu werben und sich im zunehmenden Wettbewerb durch Differenzierung am Markt zu profilieren“. Seit in Deutschland nach Diagnosis Related Groups (DRG) abgerechnet wird, seien die Krankenhäuser bestrebt, die Aufenthaltstage ihrer Patienten möglichst gering zu halten, „um Kosten einzusparen bzw. um optimierte Gewinne zu erzielen“. Der Aufenthalt im Patientenhotel sei genauso Bestandteil des stationären Krankenhausaufenthaltes und die Kosten für die dortige Unterbringung würden nach den Fallpauschalen abgerechnet. Die Experten gingen allerdings davon aus, dass die Unterbringung im Bett eines Patientenhotels „deutlich günstiger“ sei als in einem „Akutbett“ im Krankenhaus. Patientenhotels könnten also den Kostendruck mindern. Der Patient hingegen profitiere von einem „deutlich erhöhten Unterbringungskomfort“.

Das Konzept

  • Das Patientenhotel soll räumlich so nahe wie möglich an das Krankenhaus angeschlossen sein. Optimal sei eine „direkte bauliche Anbindung“.
  • Das Patientenhotel soll über Ausstattungsmerkmale eines Hotels verfügen, „in der Regel vergleichbar mit einem Hotel der Drei- bis Vier-Sterne-Kategorie“.
  • Alle Zimmer sollten als Doppelzimmer nutzbar sein, „können und werden in der Regel jedoch als Einzelzimmer genutzt und bieten dem Patienten Privatsphäre und Individualität. Es sollte die Möglichkeit bestehen, auf Wunsch Angehörige im Zimmer unterzubringen.“
  • Der Aufenthalt der Patienten im Patientenhotel sei Teil des stationären Aufenthaltes im Krankenhaus und somit Teil der stationären Patientenversorgung. Dem entsprechend würden die Kosten der Unterbringung mit der dazugehörigen Fallpauschale abgerechnet.
  • Die Verantwortung für die medizinische Versorgung der Patienten obliege den zuständigen Ärzten des Krankenhauses. „Basierend auf der ermittelten Diagnose und dem gesundheitlichen Fortschritt des Patienten ist die Verlegung in das Patientenhotel eine medizinisch-pflegerische Entscheidung.“
  • Durch die „ständige Anwesenheit von Pflegefachkräften“ werde die notwendige „medizinisch-pflegerische Sicherheit“ gewährleistet. Ein Alarmsystem sichere „sofortige Hilfeleistung im Notfall“.

Zielgruppen

Hauptzielgruppe für Patientenhotels seien „stationäre Patienten mit niedriger Versorgungsstufe“. Die Kosten für ihre Unterbringung soll – unabhängig davon, ob sie privat oder gesetzlich versichert sind – die Krankenkasse im Rahmen der DRG-Vergütung übernehmen. Die Hotels sollten außerdem „bevorzugt Privatpatienten oder Selbstzahlern“ zur Verfügung stehen, „die ebenfalls nicht mehr der akutstationären Betreuung der Klinikabteilung bedürfen und bereit sind, mehr Geld für einen gehobenen Komfort auszugeben“. Die dritte Hauptzielgruppe bestehe aus „ambulanten Patienten mit langen Anfahrtswegen“, denen auf eigene Kosten ein Zimmer zur Übernachtung bereitgestellt werden könne.

„Um zusätzlichen Umsatz zu generieren und eine höhere Auslastung zu erzielen“, könnten die Hotels auch Begleitpersonen von Patienten beherbergen. Bei Tagungen oder bei größeren Veranstaltungen im „angebundenen Krankenhaus“ sollten diese Hotels auch den Teilnehmern und Firmenvertretern als Unterkunft dienen können.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Für die Kliniken sei es von großem Interesse zu erfahren, ob die Verlegung in ein Patientenhotel als Kassenleistung gilt oder nicht. Außerdem sei wichtig, „wie sich die Höhe der DRG-Fallpauschalen entwickeln wird“. Geklärt werden müsse, wie die Patienten diesem Konzept gegenüberstehen, denn „nur wenn diese die Vorteile der neuen Unterbringungsart erkennen, lässt sich das Vorhaben realisieren“.

Intern stellten hohe Investitionskosten für die Schaffung von Patientenhotels „das größte Problem“ dar. Offenbar würden „im Regelfall“ Investoren benötigt, „um den hohen Kapitaleinsatz zu decken, da Krankenhäuser meist nur über geringe liquide Mittel verfügen“. Hier sei auch zu bedenken, dass bei einem Scheitern des Vorhabens „die Immobilie aufgrund ihrer starken Ausrichtung auf medizinische Anforderungen und ihrer Lage auf dem Klinikgelände nur schwer anderweitig genutzt werden“ könne.

Ein weiterer Kritikpunkt sei, „dass der Bau eines Patientenhotels oftmals mit der Entlassung von Pflegepersonal verbunden ist“. Die spezialisierten Pflegekräfte würden, soweit als möglich, durch Servicepersonal ersetzt, um Kosten zu sparen.

Meinung der Gesundheitsspezialisten

55,6 Prozent der für die Studie befragten Experten seien der Meinung, „dass sich Patientenhotels in Deutschland flächendeckend durchsetzen werden“. Dabei sei bei der Errichtung eines solchen Hotels für 17 Prozent der Befragten wichtig, dass Kosten gespart werden. Bei einer guten Zusammenarbeit von Krankenhaus und Patientenhotel gehen 77 Prozent der befragten Experten davon aus, „dass sich die Senkung der Kosten und die Erhöhung des Komforts für die Patienten bewerkstelligen ließen“.

Mehr als 50 Prozent der Befragten sähen „das größte Potenzial für Patientenhotels“ bei Spezial- und Universitätskliniken („unabhängig von deren Bettenanzahl“). 62,5 Prozent der Experten räumten die größten Chancen für die Entwicklung einer Partnerschaft von Krankenhaus und Patientenhotel der „Markenhotellerie“ ein, 37,5 Prozent privat geführten Hotels.

Die Deloitte-Studie „Krankenzimmer deluxe. Patientenhotels in Deutschland“ (22 S.) findet sich unter http://www.deloitte.com/view/de_DE/de/branchen/consumerbusinessandtransportation/tourism-hospitality-
leisure/4103cf4c4243b210VgnVCM1000001a56f00aRCRD.htm
im Internet.

Pilotprojekt: Zusammenarbeit Deutschland – Schweiz im Gesundheitswesen

Im Dreiländereck Schweiz-Deutschland-Frankreich bestehen traditionell auf vielen Ebenen zwei- und dreiseitige Kooperationen. Im Gesundheitswesen waren die Möglichkeiten für grenzüberschreitende Aktivitäten jedoch lange Zeit eingeschränkt, „nicht zuletzt aufgrund des Territorialitätsprinzips der nationalen Krankenversicherungsgesetzgebung“. Eine Anpassungen der gesetzlichen Grundlagen in Deutschland und in der Schweiz hätten es dann aber im Jahr 2007 ermöglicht, ein Pilotprojekt für eine grenzüberschreitende Kooperation im Krankenhausbereich für Basel-Stadt, Basel-Land und den Landkreis Lörrach in Angriff zu nehmen. Mit diesem Projekt soll ermittelt werden, „inwieweit und unter welchen Rahmenbedingungen eine Erweiterung der Freizügigkeit bei stationären Auslandsbehandlungen in Krankenhäusern und in Rehabilitationseinrichtungen und schließlich eventuell im ambulanten Sektor langfristig sinnvoll erscheint“.

Nun hat das Schweizerische Gesundheitsobservatorium, Neuchâtel (http://www.obsan.admin.ch/) die erste Phase dieses Pilotprojektes (2007-2009) evaluiert und die Ergebnisse in einem umfangreichen Bericht vorgelegt. Die Hauptaussagen des Berichts werden wie folgt zusammengefasst:

Zur Umsetzung der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung

Die Vision der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgungsregion werde „grundsätzlich von allen Projektpartnern geteilt“. Für die „zuweisenden Schweizer Instanzen“ bestünden aber nur wenige Anreize „für eine positive und aktive Teilnahme am Pilotprojekt“, u. a. aufgrund von Interessenskonflikten (z. B. durch das Belegarztsystem). Erhebungen zeigten, dass das Pilotprojekt „gut der Hälfte der Basler Bevölkerung“ bekannt sei. Die Bereitschaft zur Nutzung der medizinischen Angebote in Deutschland sei hoch (80 Prozent). Als Motiv für eine Behandlung in Deutschland habe sich vorrangig eine Verkürzung der Wartezeit erwiesen; finanzielle Anreize hingegen seien weniger wirksam; die Nähe zum Wohnort habe nur für etwa die Hälfte der Patienten bei ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt.

Zur Nutzung grenzüberschreitender Angebote

70 Prozent der Basler Bevölkerung seien aufgrund ihrer Kassenzugehörigkeit berechtigt gewesen, bei Krankenhausaufenthalten am Pilotprojekt teilzunehmen. So habe das Projekt „ein (theoretisches) Potential“ von rund 3.000 Rehabilitationen, davon rund 1.600 im orthopädischen und kardiologischen Bereich.

Die Nutzung der grenzüberschreitenden Angebote habe zwar „von 91 Fällen im Jahr 2007 bis auf 155 Fälle im Jahr 2009“ zugenommen, die Angebote seien aber „nur partiell genutzt“ worden. 99 Prozent der insgesamt 376 Fälle hätten Rehabilitationen betroffen (82 Prozent orthopädische und 13 Prozent kardiologische Rehabilitationen). 90 Prozent der Fälle hätten sich auf vier (von 22) Krankenversicherer und vier (von 14) deutsche Kliniken verteilt. Die Mehrzahl der Patient/innen wohne in Basel-Stadt und im grenznahen Arlesheim. Die „Pilotprojekt-Patienten“ seien zu 65 Prozent Frauen und zu 85 Prozent über 60 Jahre alt. Im dritten Projektjahr sei eine Mobilitätsrate von fünf Prozent der Patienten und von acht Prozent der orthopädischen und kardiologischen Reha-Patient/innen mit Wohnsitz Kanton Basel-Land oder Basel-Stadt erreicht worden.

„Betrachtet man die gesamte Patientenmobilität in der Region, geht der Patientenfluss im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung von der Schweiz nach Deutschland, wobei 60 Prozent dieses Patientenflusses (bezogen auf die Kosten) Grenzgänger/innen (und deren Familienangehörige) mit Wohnsitz Deutschland betrafen. Das heißt, dass sich diese Patient/innen de facto zum Grossteil im Land ihres Wohnsitzes behandeln ließen.“

Zur Versorgungsqualität und Patientenzufriedenheit

„Fundierte Daten über die Qualitätsanstrengungen bei Basler und Lörracher Leistungserbringern im Pilotprojekt (15 von 18 Einrichtungen)“ hätten ergeben, dass der Einsatz des internen medizinischen Qualitätsmanagements in den Partnerländern in vergleichbarem Ausmaß erfolgt. Hingegen seien Maßnahmen „extern vergleichender Qualitätssicherung bei den Schweizer Leistungserbringern im Gegensatz zu deutschen aufgrund fehlender gesetzlicher Verpflichtung seltener“.

90 Prozent aller befragten Patienten hätten sich „insgesamt mit der Behandlung in Deutschland (sehr) zufrieden“ gezeigt. 82 Prozent der Patienten wollten eine solche Behandlung weiterempfehlen. „Bei den Hotelleistungen werde allerdings das Essen „nur von 46 Prozent mit Bestnoten bewertet“. Aus den Befragungsergebnissen zur Nachbetreuung in der Schweiz ließen sich „keine nennenswerten Schwierigkeiten“ erkennen.

Zu den Kosten

Über die ersten drei Jahre des Pilotprojektes hätten sich die Behandlungskosten – „unabhängig vom Kostenträger“ - auf rund 1,2 Millionen CHF belaufen. Leistungen der orthopädischen Rehabilitation hätten dabei den Grossteil der Kosten (insgesamt 900.000 CHF) verursacht. Es sei bekannt, dass die Tarife von deutschen Rehabilitationskliniken „deutlich niedriger“ liegen als die der Schweizer Kliniken. Behandlungen in deutschen Kliniken im Rahmen des Pilotprojektes „waren schätzungsweise drei bis fünf Mal günstiger als vergleichbare Behandlungen in Schweizer Rehabilitationskliniken“.

Wegen der dualen Krankenhausfinanzierung und möglicher Zuzahlungen durch Zusatzversicherungen erweise sich die Schätzung des Kostenanteils der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) für die Behandlungen in Schweizer Kliniken „teilweise als unscharf“. Die durchschnittlichen jährlichen Minderkosten der OKP durch die Behandlungen in deutschen Rehabilitationskliniken hätten während des Pilotprojektes bisher für Versicherte aus dem Kanton Basel-Stadt 280.000 CHF und dem Kanton Basel-Land 210.000 Franken ausgemacht. Selbst bei starker Zunahme der grenzüberschreitenden Patientenmobilität im Rehabilitationsbereich (z. B. einer Mobilitätsrate von 30 Prozent, rund 700 Fälle) schätze man die Minderkosten für die orthopädische und kardiologische Rehabilitation nur auf 0,5 bis ein Prozent der OKP-Gesamtkosten für den stationären Bereich ein. Die jährlichen Minderkosten seien also „marginal“.

Künftig erwarte man „aus verschiedenen Gründen“ eine geringere Differenz der Fallkosten zwischen beiden Ländern: „Neben der fehlenden jährlichen Anpassung der Tarife von deutschen Kliniken erwies sich vor allem die kürzere durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei der orthopädischen Rehabilitation als Besonderheit des Pilotprojektes. Bei gleich kurzen Aufenthaltsdauern in Schweizer und deutschen Kliniken würde sich die Fallkostendifferenz für Versicherte beider Kantone um rund 40 Prozent reduzieren.“

Schlussfolgerungen

Das Pilotprojekt habe in den ersten Jahren „neue grenzüberschreitende Aktivitäten hervorgebracht“, die von den Projektpartnern als „insgesamt gut und nützlich“ beschrieben werden. Das betreffe vor allem erfolgreiche Aktivitäten „entlang der Behandlungspfade Akutsomatik (Schweiz) und Rehabilitation (Deutschland)“. Dies zeige sich an steigenden Fallzahlen, an der gut funktionierenden Zusammenarbeit, bei kleineren Einsparungen an Behandlungskosten und einem engeren fachlichen Austausch. „Praktisch alle Akteure auf deutscher wie auf Schweizer Seite“ bewerteten das Pilotprojekt und die gemeinsame Gestaltung einer „Gesundheitsregion“ grundsätzlich als gut. Das Pilotprojekt habe allerdings nur wenig „weitere Auswirkungen“. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte aus beiden Ländern seien „bislang nur ungenügend in die grenzüberschreitenden Aktivitäten eingebunden“.

„Befürchtete Folgen wie Mengenausweitungen oder Druck auf Schweizer Tarife sind (noch) nicht eingetreten, nicht zuletzt wegen der geringen Fallzahlen.“Nicht geplant gewesen sei die einseitige Entwicklung der Patientenströme im Projekt („nur wenige Patient/innen mit Wohnsitz Deutschland in Schweizer Kliniken“). Die Hoffnung, „dass sich durch vertraglich-wettbewerbliche Mechanismen allein ein Miteinander in einer gemeinsamen Gesundheitsregion gestaltet“, erweise sich angesichts der Erfahrungen der ersten drei Projektjahre als „trügerisch“, „insbesondere für die deutsche Projektseite und in Hinblick auf die Problematik des Preisgefälles“. Während es sich bei den von deutschen Einrichtungen angebotenen Leistungen „tendenziell eher um Leistungen der Grundversorgung bzw. um Standardeingriffe mit großen Fallzahlen“ handle, würden Schweizer Kliniken „Leistungen im Bereich der Spezialversorgung und der hochtechnisierten Spitzenmedizin mit a priori kleineren Fallmengen“ anbieten. Ein solches „Ungleichgewicht im Sinne eines ungleichen Nutzens für beide Länder“ könne das Projekt auf Dauer gefährden.

Alle Projektpartner stehen offenen Grenzen grundsätzlich positiv gegenüber, „solange bestimmte Rahmenbedingungen gelten“. Einige der gewünschten Rahmenbedingungen im gesetzlichen Bereich hätten für die zweite Projektphase (2010-2014) bereits geändert werden können (Erweiterung des Leistungskataloges, Anpassung der deutschen Tarife). Die Einführung von Fallpauschalen in den Schweizer Kliniken (2012) „wird Deutschland und die Schweiz punkto Finanzierungsbedingungen im Akutbereich annähern“ und könne „positive Entwicklungen“ für beide Länder mit sich bringen. Es sei von zentraler Bedeutung, „inwiefern die politischen Partner in den kommenden Jahren die Idee der gemeinsamen Planung der Gesundheitsregion Basel-Lörrach weiterverfolgen“. Vor allem bedürfe es „einschneidender struktureller Maßnahmen wie einer Länder übergreifenden Krankenhausplanung, wenn es zu noch deutlicheren Auswirkungen des Pilotprojektes kommen soll“.

Der vollständige Bericht von Andrea Zumbrunn, Dr. Lucy Bayer-Oglesby, Maik Roth (Schweizerisches Gesundheitsobservatorium) ist unter dem Titel „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit Deutschland – Schweiz im Gesundheitswesen. Evaluation des Pilotprojektes in der Grenzregion Basel-Stadt / Basel-Land / Landkreis Lörrach“ (Obsan Bericht 37, 150 S.) im Internet zu finden unter der Adresse: http://www.obsan.admin.ch/bfs/obsan/de/index/01/02.html?publicationID=4015. Eine Druckfassung (Neuchâtel 2010, 150 Seiten, 20 CHF exkl. MwSt., Bestellnummer: 873-1003 / ISBN: 978-3-907872-67-3) liegt ebenfalls bereits vor.

Mindestens zwei Millionen Demenzfälle bis 2050

Etwa ein Viertel der über 65-jährigen Bevölkerung leidet unter mentalen Störungen. Bei sechs bis zehn Prozent werden „schwere Demenz“ und „schwere funktionelle Psychosen“ diagnostiziert. Bereits heute leben in Deutschland insgesamt etwa 1,2 Millionen Menschen mit mittelschwerer bzw. schwerer Demenz. Mit dem Anwachsen der Zahl Älterer wird auch ein Anstieg der Zahl von Demenzpatienten einhergehen. Wie hoch dieser Anstieg bis 2050 ausfallen könnte, haben Wissenschaftler des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demographischen Wandels (http://www.demografische-forschung.org/) und des Deutschen Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen, Bonn (http://www.dzne.de/) untersucht.

Bisherige Schätzungen

Für Deutschland sei bisher für 2050 – ein konstantes Krankheitsvorkommen (Prävalenz) über den gesamten Prognosezeitraum vorausgesetzt – eine Schwankungsbreite von 2,1 bis 3,5 Millionen Demenzerkrankten angenommen worden. Die Hauptursache für unterschiedliche Schätzungen liege in unterschiedlichen Annahmen der Experten zur Entwicklung der Lebenserwartung.

Szenario 1

Die neue Studie geht von verschiedenen Annahmen für die Demenzprognose aus. In Szenario 1 bleibe die Lebenserwartung und die Demenzprävalenz konstant, „um den reinen Effekt der sich ändernden Bevölkerungsstruktur zu zeigen“. Bei diesem Szenario ergebe sich als Prognoseergebnis, „dass durch die sich ändernde Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland mit einem Anstieg der betroffenen Personen über 60 Jahre von 0,96 Millionen im Jahr 2002 auf 1,52 Millionen im Jahr 2047 zu rechnen ist.“ Da man aber nicht von einer konstanten Lebenserwartung ausgehen könne, sei dieses Szenario unwahrscheinlich.

Szenario 2

Hier steige die Lebenserwartung auf 84,3 bei Männern und 89,1 Jahre bei den Frauen. Kombiniere man diese Annahmen mit „konstanten Demenzprävalenzen“, so lasse sich für 2050 eine Zahl von etwa 2,2 Millionen Demenzerkrankten prognostizieren. Andererseits scheine auch ein Hinausschieben von Demenzen in höhere Lebensalter möglich: Eine gesündere Lebensweise und die Vermeidung von Risikofaktoren, ein steigendes Bildungsniveau der Älteren „und die damit verbundene steigende kognitive Reserve“, aber auch der Fortschritt in der Medizintechnik senken das Demenzrisiko. Kombiniere man diese Annahme mit der Lebenserwartung, so könne man von etwa 1,8 Millionen Demenzkranken ausgehen.

Szenario 3

In diesem Szenario gehe man von einer ca. 3,5 Jahre höheren Annahme für die Lebenserwartung aus, „da bisherige Bevölkerungsvorausschätzungen die Lebenserwartung immer unterschätzt“ hätten. Die Lebenserwartung steige hier auf 87,9 bei den Männern und 92,5 Jahre bei den Frauen. Dieser zusätzliche Anstieg der Lebenserwartung führe „bei konstanter Prävalenz“ zu 2,7 Millionen Personen mit Demenz. „Sinkende Prävalenzen“ würden hier hingegen etwa 2,0 Millionen Demenzpatienten bedeuten.

Schlussfolgerung

Auch ungeachtet der Annahmen zur „Prävalenzentwicklung“ könne bis 2050 „ein deutlicher Anstieg“ der Zahl Demenzerkrankter prognostiziert werden. „Diese Entwicklung stellt Deutschland vor große gesellschaftliche Herausforderungen, denn Demenzen sind nicht nur für die Betroffenen besonders schwere Krankheiten, sondern sie gehören zu den teuersten Krankheitsgruppen und verursachen einen besonders hohen Pflegebedarf.“

Der Bericht von Uta Ziegler und Prof. Dr. Gabriele Doblhammer über eine Prognose-Studie zur Zahl der Demenzpatienten findet sich im Internet im Infoletter des MPIDR „Demografische Forschung. Aus erster Hand“ (http://www.demografische-forschung.org/, Ausgabe 3/2010) unter der Überschrift „Zahl der Betroffenen steigt auf mindestens zwei Millionen. Prognose der Demenzfälle in Deutschland bis zum Jahr 2050“.

Gesellschaft

Deutschland: Wandel in den Lebenswelten

Das neue Millennium hat eine Zeitenwende eingeleitet. Man kann einen „tief greifenden Wandel der Sozialstrukturen und in der Folge auch der Soziokultur“ beobachten. „Die Lebens- und Wertewelten driften auseinander, es entstehen aber auch neue Synthesen. Die Gesellschaft ist komplizierter geworden.“ Das konstatieren die Meinungs- und Trendforscher der Sinus Sociovision GmbH, Heidelberg (http://www.sinus-institut.de/) im Ergebnis ihrer Analysen. Aus den von ihnen entwickelten „Sinus-Milieus 2010“, die „die neue, durch den beschleunigten Wandel im letzten Jahrzehnt geprägte, Alltagswirklichkeit in unserer Gesellschaft“ abbildeten, leiten die Forscher folgende Aussagen ab:

Wachsende Wohlstandspolarisierung

Die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich weiter. Ärmere Haushalte würden immer ärmer. Diese Polarisierung führt zu einem wachsenden Konfliktpotential. Die gefühlte Verschlechterung der sozialen und ökonomischen Lage sei noch größer, als es den tatsächlichen Verhältnissen entspreche. Die Zeit „kontinuierlicher Wohlstands- und Sicherheitsgewinne“ sei vorbei.

Durch Einschnitte in den Sozialstaat und durch eine „Privatisierung von immer mehr Lebensrisiken“ würden „sozial schwächere Milieus benachteiligt und tendenziell überfordert“. Unter Druck gerate auch die gesellschaftliche Mitte. Durch das Schrumpfen der Mittelschicht (von 66 Prozent im Jahr 2000 auf 60 Prozent im Jahr 2009) werde das Konfliktpotenzial in der Gesellschaft „noch virulenter“. Die von der einst „statusoptimistischen Mitte“ wahrgenommene „Abwärtsmobilität (mit steigender Fallhöhe)“ führe verstärkt zu negativen Zukunftsorientierungen mit der Leitmaxime „bloß nicht abrutschen“ und „zu einer verschärfter Abgrenzung nach unten und – speziell in Folge der Finanzkrise - zu wachsender Skepsis und Kritik an ´denen da oben´“.

Die „Hartz-Reformen“ hätten „einen starken Anstieg ungeschützter, unsicherer Arbeitsverhältnisse und prekärer Beschäftigungen“ bewirkt. Insbesondere für die junge Generation seien unbefristete, voll sozialversicherungspflichtige Regelarbeitsverhältnisse „nicht mehr die Norm – mit der Folge einer ´Entstandardisierung´, aber auch Flexibilisierung von Lebensläufen und wachsendem Druck auf die sozialen Sicherungssysteme“.

Biographische Brüche

„Patchwork-Biographien“, die bis vor kurzem als „eher exotisch“ galten, würden zur Normalperspektive der jüngeren Generation. Das führe „zu wachsendem Kontrollverlust, da die Konsequenzen des eigenen Handelns unsicher sind und die Verlässlichkeit ehemals vertrauenswürdiger Institutionen (Rentenversicherung, Bildungssystem, Gesundheitssystem etc.) stark abgenommen“ habe. Die zwangsläufigen Folgen „der neuen Unberechenbarkeit“ seien speziell in den „jüngeren Milieus“ eine wachsende „Regrounding-Tendenz (Bedürfnis nach Halt, Zugehörigkeit und Vergewisserung)“, aber auch „neue Kompetenzen wie autonomes Handeln, Navigation und Networking“.

Bildungsprobleme

In der Wissensgesellschaft seien „zunehmend andere Kompetenzen“ wichtig als noch in der jüngeren Vergangenheit. Die „immer geringere Halbwertzeit von Wissen“ zwinge zu lebenslangem Lernen. Die einfachen Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse würden „radikal entwertet“ und heute schon unter dem Begriff der „Bildungsarmut“ subsumiert. Menschen mit geringer Qualifikation gerieten dadurch zunehmend unter Druck – „zumal ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Qualifizierung und Erfolg am Arbeitsmarkt und damit ökonomischer und gesellschaftlicher Teilhabe besteht“.

Digitale Spaltung

Trotz weiter steigender „Onliner-Raten“ schreite die „digitale Spaltung der Gesellschaft, durch die ganze Bevölkerungssegmente vom Modernisierungsprozess ausgeschlossen werden“, weiter voran. Wem die nötige Informationskompetenz fehle, dem „gelingt es zunehmend weniger, das eigene Leben in einer komplizierten und unübersichtlicher werdenden Welt selbstbestimmt zu gestalten“. Vor allem „in gut ausgebildeten jüngeren Segmenten“ fördere die Digitalisierung des Alltags neue Kompetenzen und Werte – „wie Autonomie, Flexibilität, interkulturelles Wissen, Polysensualität, Transparenz“ – die ganz neue wirtschaftliche und soziale Perspektiven eröffneten. Ältere und „bildungsferne“ Menschen würden dagegen durch die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien noch zusätzlich „verunsichert und überfordert“.

Eigenverantwortung und Entsolidarisierung

Die gewohnten Dienstleistungen des Wohlfahrtsstaats gerieten „zunehmend unter Kostendruck“ und müssten „umgestaltet bzw. zurückgeschnitten“ werden. Abhilfe verspreche man sich hier vom „Prinzip der Eigenverantwortung, das immer mehr Bereiche des Alltags durchdringt und das insbesondere die Effizienz und Effektivität sozialpolitischer Leistungserbringung erhöhen soll“. Verbunden mit einer zunehmenden „Verlagerung von Verantwortung auf den Einzelnen“ sei auch eine breitere Anwendung des „Selbstverschuldungsprinzips, das allmählich das Solidarprinzip und den gesellschaftlichen Sozialstaats-Konsens verdrängt“.

Wachsende Wahlmöglichkeiten, verstärkte Risikowahrnehmung

Durch einen zunehmenden Grad an Freiheit und Wahlmöglichkeiten in der Gesellschaft erhöhe sich „insbesondere die Lebensqualität der besser Situierten“. In ihrem „modernen Segment“ wachse die Fähigkeit zur Autonomie und Selbstbestimmung. An der Spitze entstehe „eine neue kosmopolitische Elite“. Aber auch ältere, traditionelle Lebenswelten hätten sich „teilmodernisiert“: Zugenommen habe die „Akzeptanz pluralisierter Lebensformen“, „die Fortschrittsskepsis“ schwäche sich ab.

Generell sei eine „erhöhte Risikowahrnehmung in der Gesellschaft“ festzustellen – „von wachsender Angst vor Ressourcenknappheit und Verteilungskonflikten bis zur Angst vor privaten Fehlinvestitionen (z. B. Altersabsicherung, Immobilienkauf, Bildung der Kinder etc.)“.

Wertesynthesen

Die Werte „gruppierten sich neu“. Hier wachse zusammen, „was bisher nicht zusammen gehörte“. Vor dem Hintergrund der „pragmatischen Wende“, die sich in der Gesellschaft vollziehe, entwickelten sich „neue Wertesynthesen, die nicht mehr der Logik des ´entweder – oder´, sondern dem Anspruch auf das ´sowohl – als auch´ verpflichtet“ seien. Insbesondere in „jungen Milieus“ werde „die Kombination von scheinbar Widersprüchlichem (…) zur Regel“. „Alte“ Werte wie Sicherheit, Einordnung, Leistung, Familie und andere würden stärker „zeitgemäß interpretiert“ und mit „hedonistisch-ichbezogenen und individualistischen Zielen“ verbunden. Konservative Werte seien en vogue, würden aber umgedeutet. Es gebe „keine Rückkehr aufs Biedermeier-Sofa“.

Jugend: Alles bleibt anders

In den „modernen, jüngeren Lebenswelten“ sei „naturgemäß die größte Dynamik“ zu beobachten. Hier gebe es „die meisten Struktur- und Stilveränderungen“. Junge Menschen reagierten auf die unsicherer gewordenen Lebensperspektiven: Weltanschaulich geprägte Positionen seien seltener, Pragmatismus und Sicherheitstreben nähmen zu. „Vielen geht es immer mehr darum, bald anzukommen, statt stets aufzubrechen.“ Man stehe in einer eher „entspannten“ Opposition zum Bürgerlichen. Besonders bunt sei der „Wertecocktail“ im „neu entdeckten ´Expeditiven Milieu´“. Dessen Vertreter wären „gleichzeitig pragmatisch und Subkultur-affin, leistungsorientiert und partybegeistert, zielstrebig und gelassen“.

Die Sinus-Milieus 2010

In den verschiedenen „Sinus-Milieus“ werden Menschen zusammengefasst, die sich hinsichtlich ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Die grundlegende Wertorientierung gehe dabei ebenso in die Analyse ein wie Alltagseinstellungen zur Arbeit, zur Familie, zur Freizeit, zu Geld und Konsum.

Nach dem „Update 2010“ verschwand das bisher in der mittleren und unteren Mittelschicht sowie in der Unterschicht (mit vier Prozent der Bevölkerung) verortete „DDR-nostalgische Milieu“. Es sei in der „Bürgerlichen Mitte“ und im „prekären Milieu“ aufgegangen. Neu hinzugekommen ist ein „expeditives Milieu“. Das „Sinus-Modell der Gesellschaft“ werde derzeit durch folgende zehn Milieus charakterisiert:

Sinus-Milieu Definition von Sinus Sociovision Anteil an der Bevölkerung zu verorten in der...
Adaptivpragmatisches Milieu Die mobile, zielstrebige junge Mitte der Gesellschaft mit ausgeprägtem Lebenspragmatismus und Nutzenkalkül: erfolgsorientiert und kompromissbereit, hedonistisch und konventionell, starkes Bedürfnis nach „flexurity“ (Flexibilität und Sicherheit)“ 9 % ...Oberschicht, in der oberen, mittleren und unteren Mittelschicht
Expeditives Milieu Die stark individualistisch geprägte digitale Avantgarde: unkonventionell, kreativ, mental und geografisch mobil und immer auf der Suche nach neuen Grenzen und nach Veränderung 6 % ...Oberschicht, in der oberen und mittleren Mittelschicht
Bürgerliche Mitte Der leistungs- und anpassungsbereite bürgerliche Mainstream: generelle Bejahung der gesellschaftlichen Ordnung, Streben nach beruflicher und sozialer Etablierung, nach gesicherten und harmonischen Verhältnissen“ 14 % ...mittleren und unteren Mittelschicht
Hedonistisches Milieu Die spaßorientierte moderne Unterschicht/ untere Mittelschicht: Leben im Hier und Jetzt, Verweigerung von Konventionen und Verhaltenserwartungen der Leistungs- Gesellschaft“ 15 % ...mittleren und unteren Mittelschicht und der Unterschicht
Konservativetabliertes Milieu Das klassische Establishment: Verantwortungs- und Erfolgsethik, Exklusivitäts – und Führungsansprüche versus Tendenz zu Rückzug und Abgrenzung“ 10 % ...Oberschicht, der oberen und mittleren Mittelschicht
Liberal-intellektuelles Milieu Die aufgeklärte Bildungselite mit liberaler Grundhaltung, postmateriellen Wurzeln, Wunsch nach selbstbestimmtem Leben und vielfältigen intellektuellen Interessen“ 7 % ...Oberschicht und oberen Mittelschicht
Millieu der Performer Die multi-optionale, effizienzorientierte Leistungselite mit global-ökonomischem Denken und stilistischem Avantgarde- Anspruch“ 7 % ...Oberschicht, der oberen und auch mittleren Mittelschicht
Prekäres Milieu Die Teilhabe und Orientierung suchende Unterschicht mit starken Zukunftsängsten und Ressentiments: bemüht, Anschluss zu halten an die Konsumstandards der breiten Mitte als Kompensationsversuch sozialer Benachteiligungen; geringe Aufstiegs- perspektiven und delegative / reaktive Grundhaltung, Rückzug ins eigene soziale Umfeld“ 9 % ...Unterschicht und der unteren Mittelschicht
Sozialökologisches Milieu Idealistisches, konsumkritisches / -bewusstes Milieu mit ausgeprägtem ökologischen und sozialen Gewissen: Globalisierungs-Skeptiker, Bannerträger von Political Correctness und Diversity” 7 % ...Oberschicht, der oberen und mittleren Mittelschicht
Traditionelles Milieu Die Sicherheit und Ordnung liebende Kriegs- / Nachkriegsgeneration: in der alten kleinbürgerlichen Welt bzw. in der traditionellen Arbeiterkultur verhaftet“ 15 % ...mittleren und unteren Mittelschicht und der Unterschicht

Eine ausführlichere Beschreibung des Sinus-Milieumodell 2010 und seiner Entwicklung („Die Sinus-Milieus®: Update 2010“, 11 Seiten) findet sich im Internet unter der Adresse: http://www.sinus-institut.de/de/service/downloadcenter.html.

Arbeitsmarkt

Anhaltende Arbeitslosigkeit gefährdet sozialen Zusammenhalt

Bis zu 29,4 Millionen Arbeitsplätze sind weltweit durch die Wirtschafts- und Finanzkrise verloren gegangen. Obwohl die Wirtschaft in vielen Ländern wieder wächst, erholen sich die Arbeitsmärkte langsamer als bisher angenommen. Das meldet die ILO-Vertretung in Deutschland unter Bezug auf den Weltarbeitsbericht 2010 („World of Work Report 2010“) der Internationalen Arbeitsorganisation, Genf (http://www.ilo.org/public/german/region/eurpro/bonn/aktuelles/wow_2010.htm). Die UN-Organisation prognostiziert, dass die Beschäftigung in den Industrieländern erst 2015 auf das Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 zurückkehren werde „und damit zwei Jahre später als noch 2009 vorhergesagt“. Ende 2010 werde die Zahl der Arbeitslosen weltweit bei 213 Millionen liegen und die durchschnittliche Quote der Erwerbslosigkeit bei 6,5 Prozent.

Gründe für schlechtere Prognosen

Unter anderem ergäben sich Gefahren für Wachstum und Beschäftigung aus den Anstrengungen vieler Staaten zur Konsolidierung. Ein weiteres Problem entstehe aus „allzu zögerlich umgesetzten Finanzmarktreformen“, denn dadurch stünden nach wie vor zu wenig Kredite für die kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung. Aber gerade sie könnten einen wichtigen Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen leisten. In den Entwicklungs- und Schwellenländern nehme die Arbeitslosigkeit zwar schneller ab, allerdings fehlten dort angesichts einer wachsenden Erwerbsbevölkerung noch acht Millionen Arbeitsplätze.

Jugendliche überproportional betroffen

Jugendliche drohten weltweit „zu Verlierern der Wirtschaftskrise“ zu werden. In den EU-Ländern liege die Jugendarbeitslosigkeit derzeit durchschnittlich bei 20 Prozent. Je länger aber die Rezession auf den Arbeitsmärkten anhalte, desto größer sei das Risiko, dass „eine ganze Generation davon geprägt werde“, konstatiert Raymond Torres, Direktor des Internationalen Instituts für Arbeitsmarktstudien, das den Bericht erstellt hat.

Längere Zeiten der Arbeitslosigkeit

Fast 40 Prozent der Arbeitslosen in den 35 Ländern, für die Daten vorliegen, suchten schon länger als ein Jahr nach Arbeit. Über vier Millionen hätten die Arbeitssuche bereits aufgegeben. Eine wachsende Unzufriedenheit mit den Regierungen sei die Folge dieser Entwicklung.

Gefahr der Verschlechterung des sozialen Klimas

In mindestens 25 Ländern sei es bereits jetzt zu sozialen Unruhen in Zusammenhang mit der Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Durch eine Politik der strikten Haushaltskonsolidierung, die oftmals auf Kosten von Beschäftigung gehe, drohe der soziale Zusammenhalt aufs Spiel gesetzt zu werden. „Fairness muss als Kompass dienen, um uns aus der Krise zu führen“, mahnt der Generaldirektor der ILO, Juan Somavia. „Die Bürgerinnen und Bürger können schwierige Entscheidungen akzeptieren, aber sie müssen auch das Gefühl haben, dass die Lasten gerecht verteilt werden.“

Zur arbeitsmarktpolitischen Lage in Deutschland

Dem Bericht zufolge stehe Deutschland „wesentlich besser da als die meisten anderen Länder“. Die ILO erwähnt hier die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie Kurzarbeit und Arbeitszeitkonten, mit denen Unternehmen, Gewerkschaften und Regierung in den Vorjahren auf die Krise reagiert hätten. Der Direktor von ILO Deutschland, Wolfgang Schmidt, stellt fest, dass Unternehmen, Gewerkschaften und Regierung während der Krise „an einem Strang gezogen“ hätten. „Damit ist Deutschland weltweit ein Vorbild für kluge Politik.“ Dadurch sei auch die Nachfrage stabilisiert worden. Dennoch warnen die Autoren des Weltarbeitsberichts, dass auch in Deutschland bei vielen Menschen das Gefühl sozialer Ungerechtigkeit zunehme.

Empfehlungen der ILO

Im Bericht werde empfohlen, „in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern besonderes Augenmerk auf die anhaltend hohe Langzeitarbeitslosigkeit und die Jugendarbeitslosigkeit zu richten“. Es sei eine Politik von Nöten, „die sich darauf konzentriere, Arbeit und Beschäftigung zu fördern“. Dabei gehe es um eine „gut geplante aktive Arbeitsmarktpolitik“, gezielte Unterstützungsmaßnahmen „für besonders verletzliche Gruppen“, Weiterbildungsangebote und die Entwicklung beschäftigungszentrierter sozialer Sicherungssysteme. Funktionierende arbeitsmarktpolitische Instrumente, mit denen eine Fortsetzung der Beschäftigungskrise verhindert werden könne, gebe es. Das hätten Länder wie Deutschland unter Beweis gestellt.

Die englischsprachige Originalfassung des ILO-Berichtes „World of Work Report 2010. From one crisis to the next? “ (137 S.), weitere Dokumente dazu und eine Zusammenfassung finden sich im Internet unter http://www.ilo.org/global/What_we_do/Publications/Newreleases/lang--en/docName--WCMS_145078/index.htm.

Indikatorenbericht zur „Qualität der Arbeit“

Die Arbeit spielt im Leben der meisten Menschen nicht nur zur Sicherung des Lebensunterhalts eine zentrale Rolle. Am Arbeitsplatz wird oft mehr Zeit verbracht, als für Familie, Freunde und Freizeit zur Verfügung steht. Ein „guter Job“ ist daher für viele eine wichtige Voraussetzung für Zufriedenheit und Lebensqualität. Aber: Welche Aspekte charakterisieren die „Qualität der Arbeit“? Wo bestehen am Arbeitsplatz gesundheitliche Beeinträchtigungen? Welche Arbeit ermöglicht ein ausgewogenes Verhältnis von beruflichen und privaten Aktivitäten? Können die Beschäftigten mit den wechselnden Anforderungen an ihre Qualifikation Schritt halten? Funktioniert die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten? Diesen und weiteren Fragen sind Spezialisten des Statistischen Bundesamtes (http://www.destatis.de/) nachgegangen und haben in einem Indikatorenbericht sieben Dimensionen der „Qualität der Arbeit“ besonders herausgestellt:

Arbeitssicherheit und Gleichstellung

Je seltener Arbeitsunfälle passierten, desto besser sei die Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleistet. Tödliche Arbeitsunfälle kämen immer seltener vor. 2007 seien zwei (1,8) von 100.000 Erwerbstätigen Opfer eines tödlichen Arbeitsunfalls geworden. Das sei ein deutlicher Rückgang gegenüber 1996, als diese Zahl bei 3,5 tödlichen Unfällen gelegen habe. „Arbeitsunfälle ohne tödlichen Ausgang“ hätten 2007 von je 100.000 Erwerbstätigen rund 3.100 Menschen (3 Prozent) erlitten. Auch die Zahl dieser Unfälle sei seit Anfang der 1990er Jahre rückläufig, stagniere allerdings seit 2005.

11 Prozent der Erwerbstätigen seien an ihrem Arbeitsplatz durch „schwierige Körperhaltungen“ und „Hantieren mit schweren Lasten“ körperlich belastet. Jeweils rund zwei Prozent litten unter „Lärm oder Vibrationen“, „Staub, Rauch, Chemikalien, Dämpfen und Gase“. Etwas häufiger würden psychische Belastungen auftreten (2007 bei 12 von 100 Erwerbstätigen). Als Auslöser würden meist „Zeitdruck und Arbeitsüberlastung“ genannt.

Im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung (51 Prozent) seien Frauen im Berufsleben in Deutschland „immer noch unterrepräsentiert“. Jedoch habe sich seit den 1990er Jahren der Abstand bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern deutlich verringert (Frauen 1991: 42 Prozent, 2009: 46 Prozent). Am deutlichsten hätten hierbei die Frauen im Alter von 55 bis 64 Jahren zugelegt (1991: 32 Prozent, 2009: 44 Prozent). Allerdings beschränke sich die Berufswahl von Frauen häufig noch „auf ein begrenztes Spektrum an Tätigkeiten“. In Dienstleistungsberufen und im Handel betrage der Frauenanteil 75 Prozent, bei Bürokräften und kaufmännischen Angestellten 67 Prozent und bei den Hilfsarbeitskräften 54 Prozent. Nur knapp jede dritte Führungsposition (30 Prozent) sei 2009 von einer Frau besetzt gewesen. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen habe 2009 um 23 Prozent unter dem der Männer gelegen.

Einkommen und indirekte Arbeitgeberleistungen

Arbeitnehmer verdienten im Schnitt in Deutschland 16,63 Euro pro Stunde. Das Lohnniveau in den neuen Ländern liege dabei (mit 13,51 Euro, 2006) „deutlich unter dem Durchschnittsverdienst in den alten Ländern (17,22 Euro, 2006). 20 Prozent aller Arbeitnehmer erhielten (2006) Niedriglöhne. Damit habe jeder Fünfte weniger als 9,85 Euro brutto pro Stunde verdient. In den neuen Bundesländern hätten 35 Prozent der Erwerbstätigen einen Niedriglohn bekommen, in den alten Bundesländern nur 17 Prozent.

Der durchschnittliche Urlaubsanspruch von Vollzeitbeschäftigten habe (2006) bei 28 Tagen gelegen, von Teilzeitbeschäftigten bei 18 Tagen. Je nach Branche gebe es hier Differenzen von bis zu fünf Urlaubstagen.

2009 seien Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 7,3 Arbeitstage krank gemeldet gewesen und hätten während dieser Zeit Anspruch auf Lohnfortzahlung in voller Höhe durch den Arbeitgeber gehabt. Das seien die niedrigsten Fehlzeiten seit 1991, wo die durchschnittliche Zahl der Krankentage noch bei 11,1 gelegen habe.

Arbeitszeit, Ausgleich von Beruf und Privatleben

Die mittlere jährliche Arbeitszeit in Deutschland liege (2009) bei 1.390 Stunden pro Erwerbstätigem (EU-Durchschnitt: 1.994 Stunden). Die jährliche Arbeitszeit habe damit den niedrigsten Stand seit 1991 erreicht.

Jeder zehnte Beschäftigte arbeite mehr als 48 Stunden pro Woche (2009). Das betreffe 15 Prozent der Männer, aber nur vier Prozent der Frauen. Bei den Männern habe sich der Anteil Berufstätiger mit überlangen Arbeitszeiten seit 1998 kaum verändert. Grundsätzlich gelte: „Je älter, desto länger die Arbeitszeiten.“ 13 Prozent aller 55- bis 64-Jährigen und 15 Prozent aller 65- bis 74-Jährigen würden wöchentlich mehr als 48 Stunden arbeiten. Das treffe auch für 39 Prozent aller Führungskräfte zu.

Der Anteil der Erwerbstätigen, die abends (18.00 bis 23.00 Uhr) arbeiten, sei von 16 Prozent (1992) auf 26 Prozent (2009) gestiegen. Der Anteil derjenigen, die regelmäßig nachts (23.00 bis 06.00 Uhr) arbeiten, habe dagegen nur leicht von 7,6 Prozent auf 8,2 Prozent zugenommen. Der Anteil der Erwerbstätigen, die samstags arbeiten, sei von 21 Prozent auf 25 Prozent gestiegen, der Anteil der Sonntagsarbeiter/innen von 10 Prozent auf 13 Prozent. Dazu habe vermutlich auch die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten beigetragen.

Ein knappes Fünftel der Erwerbstätigen (22 Prozent) betrachte Teilzeitarbeit als Notlösung, weil sie keine Vollzeitstelle gefunden hätten. Frauen führten zu 24 Prozent die „Betreuung von Kindern oder anderen Familienangehörigen“ als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung an.

Etwa zwei Drittel der Berufstätigen (68 Prozent) hätten im Jahr 2008 weniger als 30 Minuten für den Weg zum Arbeitsplatz benötigt. 18 Prozent brauchten mehr als 30 Minuten, aber weniger als eine Stunde, und lediglich vier Prozent länger als eine Stunde.

Mütter gingen „deutlich seltener“ einer bezahlten Tätigkeit nach als die Bezugsgruppe der Frauen im erwerbsfähigen Alter insgesamt. Aber die Erwerbsbeteiligung von Müttern sei spürbar gestiegen: „Im Jahr 2000 kamen rechnerisch nur 71 erwerbstätige Mütter auf 100 erwerbstätige Frauen, 2009 waren es 80 zu 100.“ Berufstätige Mütter verrichteten allerdings zu 70 Prozent Teilzeitarbeit.

Beschäftigungssicherheit und Sozialleistungen

Seit 2006 schwanke die Quote der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ab 25 Jahren, die befristet beschäftigt sind, „ohne größere Veränderungen um neun Prozent“. Dabei dominierten bei den befristet Beschäftigten (zu 61 Prozent) Verträge von Laufzeiten bis zu einem Jahr. Bei 30 Prozent der befristet Beschäftigten liege die Laufzeit der Arbeitsverträge zwischen einem und drei Jahren. Nur rund fünf Prozent dieser Erwerbstätigen hätten „bewusst ein befristetes Beschäftigungsverhältnis gewählt“.

Im Jahr 2009 hätten 86 Prozent aller Beschäftigten bei Verlust ihres Arbeitsplatzes Anspruch auf die Zahlung von Arbeitslosengeld I gehabt. Und 83 Prozent der Erwerbspersonen in Deutschland seien gesetzlich rentenversichert.

Arbeitsbeziehungen

Für 56 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den alten Bundesländern sei 2009 das Beschäftigungsverhältnis durch einen Branchentarifvertrag geregelt gewesen. 1998 habe dieser Anteil noch bei 68 Prozent gelegen. Für neun Prozent der Beschäftigten hätten 2009 Firmentarifverträge gegolten. In den neuen Bundesländern seien die Arbeitsbeziehungen 2009 nur für 38 Prozent der Beschäftigten (1998 für 52 Prozent der Beschäftigten) durch Branchentarifverträge und für 13 Prozent durch Firmentarifverträge geregelt gewesen.

Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in der Wirtschaft würden in den alten Bundesländern häufiger durch Betriebsräte vertreten (zu 45 Prozent) als in den neuen Ländern (zu 38 Prozent). Im öffentlichen Dienst liege der Anteil der Beschäftigten mit Personalräten bei 88 Prozent.

Im Zeitraum zwischen 2000 und 2009 seien in Deutschland durchschnittlich 4,3 Arbeitstage je 1.000 Beschäftigten durch Streiks ausgefallen. In vielen Jahren seien keine Arbeitsausfälle zu verzeichnen gewesen. In den meisten Branchen habe es „nur temporär“ Streiks gegeben. Nur im Verarbeitenden Gewerbe sei „relativ häufig“ gestreikt worden. Zu streikbedingten Ausfällen von mehr als fünf Tagen je 1.000 Beschäftigten sei es 1999, 2002 bis 2004 und 2006 gekommen.

Qualifikation und Weiterbildung

Vier von zehn Erwerbstätigen übten „höher qualifizierte Berufe“ aus. 2009 hätten 42 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren in einem „höher qualifizierten Beruf“ gearbeitet. „Diese Männer und Frauen waren z. B. als leitende Angestellte in Wirtschaft oder Verwaltung tätig, gingen wissenschaftlichen Tätigkeiten nach, arbeiteten als Programmierer, Ingenieure, Techniker, Ärzte, Sozialwissenschaftler, Lehrer, Physiotherapeuten, Kriminalkommissare oder Sozialpädagogen. Frauen arbeiteten häufiger als Männer in Berufen, die eine höhere Qualifikation voraussetzten (Frauen zu 45 Prozent, Männer zu 40 Prozent). Solche Berufe würden „immer wichtiger“.

Jeder Fünfte habe sich beruflich weitergebildet. Unter den 15- bis 64-jährigen Erwerbstätigen hätten sich 2009 rund 21 Prozent an Kursen und Lehrgängen der beruflichen Weiterbildung beteiligt. Die Weiterbildungsquoten der Männer und Frauen unterschieden sich dabei kaum (Frauen: 22 Prozent, Männer: 20 Prozent). Erhebungen zeigten, dass sich die Beteiligung an der beruflichen Weiterbildung seit 2005 leicht erhöht habe (plus 18 Prozent).

Zusammenarbeit und Motivation

Fast zwei Drittel aller Beschäftigten (69 Prozent) hätten „gute Freunde am Arbeitsplatz“. 65 Prozent hätten bei Befragungen angegeben, „häufig, bzw. fast immer von ihren Kollegen und Kolleginnen unterstützt zu werden“. Drei von fünf Beschäftigten (58 Prozent) würden nach eigener Einschätzung von ihren Vorgesetzten unterstützt. 40 Prozent würden regelmäßig „Rückmeldung zur Arbeitsleistung“ bekommen. Zu „Änderungen beim Arbeitsablauf oder den Arbeitsbedingungen“ seien 42 Prozent der Beschäftigten von den Vorgesetzten um Rat gefragt worden. 48 Prozent hätten mit ihren Vorgesetzten im zurückliegenden Jahr „über arbeitsspezifische Probleme gesprochen“.

Jeder zwanzigste Beschäftigte (5 Prozent) habe 2005 in Deutschland Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren. Rund drei Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen fühlten sich aufgrund ihres (jugendlichen oder höheren) Alters diskriminiert. Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts oder der Nationalität seien am zweithäufigsten beklagt worden. „Mobbing, sexuelle Belästigung, körperliche Gewalt oder die Androhung von Gewalt haben in den letzten Jahren zugenommen.“ Fast 10 Prozent der befragten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen hätten (2005) angegeben, „in den letzten zwölf Monaten am Arbeitsplatz belästigt oder bedroht worden zu sein“. Da die Messung „solcher sensiblen Tatbestände“ nur auf subjektiven Angaben basiere, sollten die Ergebnisse zurückhaltend interpretiert werden, merken die Autoren an.

Die meisten Beschäftigten (79 Prozent) bekannten (2005) auf Befragen, sie würden eine sinnvolle Tätigkeit ausüben. Eigene Ideen hätten 50 Prozent einbringen und umsetzen können. Am eigenen Arbeitsplatz könnten 70 Prozent der Befragten „am ehesten das Vorgehen bei der Erledigung von Aufgaben“ beeinflussen. Rund 60 Prozent hätten Einfluss auf „das Tempo und den Rhythmus der Arbeit“. 50 Prozent könnten selbst über die „Reihenfolge der Aufgaben“ entscheiden.

Fast 90 Prozent der Beschäftigten hätten sich zufrieden über ihre Arbeitsbedingungen geäußert. In Deutschland habe demnach zum Zeitpunkt der Befragung (2005) „eine sehr hohe Zufriedenheit mit den allgemeinen Arbeitsbedingungen“ geherrscht: 64 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seien mit den Arbeitsbedingungen „zufrieden“ und 25 Prozent sogar „sehr zufrieden“ gewesen. Nur 10 Prozent bekannten, „nicht sehr zufrieden“ zu sein. Eine Minderheit (ein Prozent) sei mit den Arbeitsbedingungen „überhaupt nicht zufrieden“ gewesen.

Der Indikatorenbericht des Statistischen Bundesamtes (Autoren: T. Körner, K. Puch, Ch. Wingerter) „Qualität der Arbeit. Geld verdienen und was sonst noch zählt“ (66 S.) findet sich unter der Adresse: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/
destatis/Internet/DE/Navigation/Publikationen/Fachveroeffentlichungen/Arbeitsmarkt.psml
im Internet.

Ostdeutschland: Regionalentwicklung durch Rückwanderung?

Die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bundesländern wird dadurch erheblich belastet, dass gut ausgebildete Arbeitskräfte abwandern. Dortige Unternehmen und Kommunen werben aber gezielt für eine Rückkehr. Wie erfolgreich solche Initiativen sind, welche Personengruppen aus den alten Bundesländern nach Ostdeutschland zurückgehen, welche Gründe dafür ausschlaggebend sind und welche Erfahrungen die ostdeutschen Unternehmen mit den Rückwanderern machen, hat Prof. Dr. Anke Matuschewski (Universität Bayreuth, Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie) nun in einer Fallstudie exemplarisch für Sachsen und für Mecklenburg-Vorpommern untersucht. Im „Blick in die Forschung“ berichtet die Universität Bayreuth (http://www.uni-bayreuth.de/blick-in-die-forschung/index.html) über die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes.

Rückwanderung und beruflicher Aufstieg

Ungefähr die Hälfte der Menschen, die von West- nach Ostdeutschland umziehen, seien „gebürtige Ostdeutsche“. Ihre Rückwanderung stabilisiere Bevölkerungsentwicklung und Arbeitsmarkt in den neuen Ländern. In letzter Zeit seien das „gut 45.000 Menschen pro Jahr“ gewesen, schätzt die Autorin der Fallstudie.

Die Rückwanderer, die an den Befragungen für die Studie teilgenommen haben, seien zwischen 30 und 45 Jahre alt, arbeiteten zu 26,9 Prozent im verarbeitenden Gewerbe, zu 13,5 Prozent in Universitäten und Forschungseinrichtungen und zu 13,5 Prozent in Dienstleistungsfirmen. Mehr als drei Viertel von ihnen verfügten über einen Hochschul- oder Berufsschulabschluss, „womit ihr Qualifikationsniveau deutlich über dem jeweiligen landesweiten Durchschnitt liegt“. Über 90 Prozent der Rückwanderer hätten nach ihrem Wechsel in die neuen Bundesländer eine positive Bilanz ihrer beruflichen Veränderung gezogen. Rund 50 Prozent von ihnen hätten sogar eine höher qualifizierte Beschäftigung gefunden.

Gründe und Anlässe für die Rückwanderung

Häufig hätten die Rückwanderer die Wohn- und Lebensverhältnisse und auch die berufliche Situation in den alten Bundesländern als „unbefriedigend“ empfunden. Hinzugekommen sei „der ausgeprägte Wunsch nach Nähe zu Freunden und Verwandten in der früheren Heimat“. In zahlreichen Fällen hätten sich die späteren Rückwanderer „in einer Phase der beruflichen Neuorientierung“ befunden, „in der sie nach Beschäftigungsalternativen in ihrer Heimat suchten“. In dieser Situation hätten „adäquate Arbeitsangebote“ aus den neuen Bundesländern den konkreten Entschluss zur Rückwanderung mit ausgelöst. Bei vielen Rückwanderern seien die Bildungs- und Betreuungsangebote für die Kinder bei ihrer Entscheidung ins Gewicht gefallen. Mehr als 70 Prozent der Rückwanderer hätten auf Befragen angegeben, dass sich mit ihrer Rückkehr für sie „die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert“ habe. Überhaupt würden die Rückwanderer „ein überwiegend positives Bild der Lebensbedingungen in ihrem ostdeutschen Umfeld“ zeichnen. Diese würden von ihnen „nicht selten höher geschätzt als von den Ortsansässigen“.

Erfahrungen der Arbeitgeber

Bei den Arbeitgebern, die für die Fallstudie befragt wurden, handle es sich „vorwiegend um Inhaber kleiner und mittelständischer Betriebe“. Für sie habe sich die Einstellung von Rückwanderern „bereits zum Zeitpunkt der Befragung positiv ausgewirkt“. Die neuen Arbeitskräfte würden sich zum Beispiel beim Aufbau neuer Produktlinien oder bei der Beseitigung von Produktionsengpässen bewähren. Sie brächten „neue Ideen und hohe Qualifikationen, aber auch ihre früheren Geschäftskontakte in das Unternehmen ein“.

Zwei Drittel der befragten Betriebe würden „auch in Zukunft Rückwanderer gezielt anwerben, um Stellen neu besetzen zu können“. Die befragten Arbeitgeber hätten den Eindruck, „dass das berufliche Engagement der Rückwanderer gestärkt wird durch eine vergleichsweise hohe private Zufriedenheit und eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Die Rückwanderer würden sich „leicht in den Kollegenkreis integrieren und auch bei Kunden auf eine hohe Akzeptanz stoßen“. Ein erhebliches Problem stelle aber das geringe Lohn- und Gehaltsniveau in den neuen Bundesländern dar. Daran seien auch schon Stellenbesetzungen mit Rückwanderungswilligen gescheitert.

Weitere Schritte

Die umfassende Analyse „innerdeutscher Rückwanderungsprozesse“ stehe noch aus. Um diese Prozesse mit ihren Ursachen und Wirkungen umfassender zu erschließen, „sollten in einer quantitativ breiter angelegten Untersuchung auch Vergleichsgruppen mit einbezogen werden, beispielsweise Zuwanderer mit westdeutschen oder ausländischen Wurzeln“.

Eine Veröffentlichung zur Fallstudie „Anke Matuschewski: Stabilisierung der Regionalentwicklung durch Rückwanderung? Theoretische Konzeptionalisierung und empirische Umsetzung am Beispiel von Ostdeutschland“), findet sich in der Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie, 2010, Heft 2, S. 81-95 (http://www.wirtschaftsgeographie.com/).

Demographie

Lebensverläufe in Ost und West bleiben verschieden

Auch 20 Jahre nach der Wende stellen sich die Lebensverläufe in Ostdeutschland in wesentlichen Punkten anders dar als die im Westen. Teilweise setzt „sogar der Osten den Trend“. Dort dominieren „Eltern ohne Trauschein, Mütter ohne Religion und Mütter, die Vollzeit arbeiten“, im Westen dagegen „das Primat der Ehe“, ein „christliches Glaubensbekenntnis“ und „Elternpaare, in denen Vollzeitarbeit die Domäne der Männer ist“.

Das ergibt sich aus der Bestandsaufnahme, die das Max-Planck-Institut für demographische Forschung (MPIDR) in Rostock (http://www.demogr.mpg.de/) zum Thema „Familie und Partnerschaft in Ost- und Westdeutschland“ unlängst vorgelegt hat. „Im Osten wird ein ganz anderes Familienmodell gelebt als im Westen“, konstatiert Jun. Prof. Michaela Kreyenfeld, die Koordinatorin des Forschungsprojekts „DemoDiff“ (Demographic Differences in Life Course Dynamics in Eastern and Western Germany), in dessen Rahmen diese Bestandsaufnahme entstanden ist. 12.000 Deutsche seien dafür regelmäßig danach befragt worden, „wie sie Beziehung, Arbeitsteilung, Kinderwunsch oder die Ehe sehen und leben“.

Osten bei Geburten vorn

Mit 1,40 Kindern pro Frau habe die Geburtenrate 2008 im Osten erstmals seit 1990 über der Rate im Westen (1,37 Kinder pro Frau) gelegen. Allerdings seien die jährlichen Geburtenziffern Schätzwerte. „Tatsächlich bekam bislang jeder Frauenjahrgang im Osten mehr Kinder als im Westen“:

Jahrgang 1955 1960 1965
West 1,62 1,61 1,52
Ost 1,82 1,80 1,60

Für die heute 45-Jährigen lägen die „endgültigen Geburtenraten“ derzeit bei 1,51 Kindern (West) und 1,60 Kindern (Ost). „Ein Kind ist im Osten immer eingeplant“, so Prof. Dr. Kreyenfeld. Der Trend gehe zur Ein-Kind-Familie. Die Ostdeutschen wünschten sich knapp doppelt so häufig nur ein Kind wie die Westdeutschen. In den neuen Ländern wachse der Anteil von Ein-Kind-Familien, während er in den alten Ländern sinke. Die Kinderlosigkeit bleibe „ein Phänomen des Westens“: 20 Prozent aller Frauen im Alter von 44 bis 48 hätten dort keine Kinder. Im Osten seien es nur 12 Prozent.

Neue Länder: Kinder gerne früh und vor der Ehe

In den neuen Ländern bekämen Frauen ihr erstes Kind nicht nur früher als in den alten Ländern (2008 im Osten durchschnittlich mit 27,5 Jahren; Westen: 28,7 Jahre) sondern auch vor der Ehe: „Mit einem Anteil von drei Vierteln nichtehelicher Geburten an allen Erstgeburten im Jahr 2009 ist Ostdeutschland Weltspitze (Westen: 36 Prozent).“ Der Westen folge hier der Entwicklung im Osten, wo inzwischen von allen Kindern 61 Prozent nichtehelich seien. In den alten Bundesländern liege die Quote nunmehr bei einem Viertel und habe sich damit seit der Wende verdoppelt. Unverheiratete Elternschaft sei aber nicht mit allein erziehender Elternschaft gleichzusetzen. Die Mehrzahl der Frauen, die unverheiratet ein Kind bekommen hätten, lebe mit einem Partner im selben Haushalt.

Alte Länder: Kind oder Wohnung als Gründe zum Heiraten

Es sei ein „im Westen verbreitetes Modell“, wegen eines Babys vor den Traualtar zu treten. Noch in der Schwangerschaft gehe der Anteil unverheirateter Frauen hier von 51 auf 31 Prozent zurück. Im Osten sinke er lediglich von 76 auf 64 Prozent (jeweils nur Jahrgänge 1971-1973). Auch sei „für West-Paare“ der Trauschein eher eine „Vorraussetzung für die erste gemeinsame Wohnung“: Zwölf Prozent heirateten, wenn sie zusammen ziehen wollen. Im Osten seien es nur drei Prozent. „Das könnte auch an unterschiedlichen Einstellungen zur Religion liegen: Fast flächendeckend gehört die Mehrheit ostdeutscher Mütter keiner Religion an, während der Großteil im Westen christlich getauft ist.“ Stabiler seien die Ehen aber dort deshalb nicht: „Nach fünf Jahren sind acht Prozent wieder geschieden - im Westen wie im Osten.“

Osten Vorreiter bei Gleichberechtigung

„Die meisten Paare in Deutschland sind glücklich: In beiden Landesteilen sind etwa zwei Drittel mit ihrer Beziehung sehr zufrieden.“ Dabei sei die Arbeitsteilung in den Beziehungen sehr unterschiedlich: In den neuen Ländern gebe fast die Hälfte aller Paare auf Befragen an, „dass nicht nur die Mutter die Kinder betreut, sondern Frau und Mann zu je gleichen Teilen“. In den alten Ländern habe das nur ca. ein Drittel bekundet. „Das passt zur Aufteilung der Erwerbsarbeit: In Ost wie West haben unter den kinderlosen Paare in 60 Prozent der Fälle beide Partner einen Vollzeitjob. Kommt aber Nachwuchs, stimmt das im Osten zwar noch für 28 Prozent, im Westen jedoch nur noch für sieben. Dort gilt in stärkerem Maß: Die Frau umsorgt die Kinder, der Mann verdient das Geld.“

Müttererwerbstätigkeit im Osten selbstverständlich

Zum Zeitpunkt des Mauerfalls seien in Westdeutschland „lediglich 56 Prozent der Frauen auf dem Arbeitsmarkt aktiv“ gewesen. Die Erwerbsquote ostdeutscher Frauen lag damals bei 89 Prozent und habe damit eine Spitzenposition im internationalen Vergleich eingenommen. Sie bewegte sich bereits auf annähernd gleichem Niveau wie die Quote erwerbstätiger Männer. „Mit der Übernahme der westdeutschen sozialpolitischen Rahmenbedingungen, wie dem Steuersystem und den Regelungen zum Erziehungsurlaub bzw. der Elternzeit, wurde vielfach vermutet, dass sich das Erwerbsverhalten der ostdeutschen Mütter dem der westdeutschen Frauen mit Kindern anpassen würde. Trotz der drastischen Veränderungen auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt nach 1990 kann bis heute keine Angleichung des Erwerbsverhaltens ostdeutscher Mütter an das der westdeutschen Frauen mit Kindern festgestellt werden.“ Im Jahr 2007 seien ostdeutsche Mütter mehr als doppelt so häufig Vollzeit erwerbstätig gewesen wie westdeutsche Mütter (Ost: 50 Prozent; West: 18 Prozent).

Der Bericht von Prof. Dr. Joshua R. Goldstein (MPIDR), Jun. Prof. Dr. Michaela Kreyenfeld (MPIDR), Prof. Dr. Johannes Huinink (Universität Bremen), Prof. Dr. Dirk Konietzka (TU Braunschweig) und Prof. Dr. Heike Trappe (Universität Rostock) „Familie und Partnerschaft in Ost- und Westdeutschland. Ergebnisse im Rahmen des Projektes „Demographic Differences in Life Course Dynamics in Eastern and Western Germany” (40 S.) findet sich unter http://www.demogr.mpg.de/de/default.htm im Internet.

Medien

EU-Haushaltsumfrage zur Internet- , TV- und Telefonnutzung

Nach einer Eurobarometer-Erhebung der Europäischen Kommission - durchgeführt von TNS Opinion & Social, Brüssel, bei 27.000 Privathaushalten aus dem gesamten EU-Bereich - sind die Europäer „zunehmend digital aktiv“. Allerdings haben sie auch erhebliche Bedenken bezüglich der Kosten, der Dienstqualität und der Sicherheit sowie im Hinblick auf die „Online-Freiheit“. Fast alle Haushalte haben Zugang zum Telefon: Zwei Drittel der Haushalte verfügten über Festnetzanschlüsse und mindestens einen Mobilfunkanschluss, ein Viertel ausschließlich über einen Mobiltelefonanschluss. Auch das Fernsehen sei in der EU „fast universell vorhanden“.

Computer in Haushalten

Im EU-Bereich hätten immer mehr Haushalte „Zugang zu einem Computer in den eigenen vier Wänden“. Der Anteil der Haushalte, die selbst einen Computer besitzen, habe sich im Vergleich zu 2007 um sieben Prozent auf fast zwei Drittel erhöht. Am häufigsten seien die Heimcomputer in den Niederlanden, in Dänemark und Schweden anzutreffen. Hier besäßen rund neun von zehn Haushalten einen Computer. Im Gegensatz dazu würden in Bulgarien und Rumänien nur halb so viele Haushalte über einen Computer verfügen.

Der Umfrage zufolge haben 43 Prozent der EU-Haushalte derzeit noch immer keinen Internetzugang. Dies verdeutliche, „wie ehrgeizig das Ziel ist, das die Kommission mit ihrer Digitalen Agenda anstrebt, nämlich alle Europäer online zu bringen“. Beinahe jeder fünfte Haushalt habe „hohe Internetkosten“ als Grund für den Verzicht auf einen Internetanschluss genannt.

Zunehmende Breitbandversorgung

Die Verfügbarkeit von „Breitband-Internetzugängen im eigenen Heim“ habe in der gesamten EU zugenommen (plus 12 Prozent seit Winter 2008). Am deutlichsten verbessert habe sich die Situation in Irland. Etwa die Hälfte aller EU-Haushalte verfüge heute über einen Breitband-Internetzugang (48 Prozent). Allerdings seien die Breitbandanschlüsse in den EU-15-Staaten deutlich weiter verbreitet als in den neuen Mitgliedstaaten. Am weitesten verbreitet seien die Breitbandanschlüsse derzeit in den Niederlanden (79 Prozent), Dänemark und Schweden (je 76 Prozent). Das Breitband sei in allen EU-Ländern „die am weitesten verbreitete Internetzugangsart“. Auf Malta werde bereits ausschließlich die Breitbandtechnologie genutzt. Immer mehr Europäer würden sich für Pauschalpakete aus Breitband-Internet und Digitalfernsehen zum Festpreis entscheiden.

Ein Drittel aller Befragten EU-Bürger (33 Prozent) besitze einen Mobiltelefonanschluss, der es ihnen ermöglicht, auf das Internet zuzugreifen. Am weitesten verbreitet seien diese Mobilfunkanschlüsse in Schweden. Hier hätten sechs von zehn Handynutzern (58 Prozent) bereits die Möglichkeit, über ihren Mobiltelefonanschluss auf das Internet zuzugreifen.

Soziale Netzwerke

Rund 35 Prozent der Europäer betätigten sich „auf den Websites der sozialen Netze“. Am weitesten verbreitet sei die Nutzung von Internetseiten sozialer Netzwerke in Lettland. Hier bedienten sich nahezu sechs von zehn Befragten (57 Prozent) solcher Internetangebote. Dahinter folgten erneut die Niederlande, Dänemark und Schweden (etwa 50 Prozent). Mit nahezu sechs von zehn, hätten deutsche und spanische Befragten am häufigsten erklärt, „dass sie niemals soziale Netzwerkseiten nutzen“.

Die Seiten sozialer Netzwerke würden in der Regel häufig aufgerufen. 57 Prozent der Nutzer gaben an, diese Seiten mindestens zwei- bis dreimal pro Woche zu besuchen, fast ein Viertel (23 Prozent) nutze sie einmal pro Woche oder zwei- bis dreimal pro Monat.

Kostenprobleme

Rund ein Drittel aller EU-Bürger begrenze die Zahl der Anrufe von ihrem Festnetztelefon, „weil sie sich Sorgen wegen der Telefonkosten machten“. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anzahl der Anrufe vom Festnetz aus Kostengründen begrenzt wird, sei in Bulgarien (72 Prozent), Irland (65 Prozent), Polen (63 Prozent) und Griechenland (61 Prozent) am größten. Am geringsten sei die Selbstbeschränkung unter österreichischen (33 Prozent), finnischen (32 Prozent), dänischen (30 Prozent), schwedischen (25 Prozent) und niederländischen (20 Prozent) Befragten. Ähnliche Sorgen machten sich auch die irischen Besitzer von Mobilfunktelefonen. Von ihnen schränkten aus Kostengründen mehr als drei Viertel bewusst die Zahl der Anrufe ein. Fast ähnlich gestalte sich die Situation in Bulgarien und Griechenland.

Vertrauen und Sicherheit im Internet

Insgesamt könne festgestellt werden, dass sich die Bürger der EU im Vergleich zur Untersuchung im Winter 2006 „zunehmend Sorgen um den Datenschutz machen“ (plus sechs Prozent). 84 Prozent der Haushalte würde gern über Verlust, Diebstahl oder Manipulierung ihrer persönlichen Daten informiert werden. Etwa 45 Prozent der Internetnutzer machten sich Sorgen über den Missbrauch der persönlichen Daten in den sozialen Netzen. Dabei seien aber „die unter 24-Jährigen erheblich sorgloser als die über 40-Jährigen“.

Die EU-Kommission verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass das „Telekom-Legislativpaket von 2009, das bis zum 26. Mai 2011 umzusetzen ist“, mehrere Vorschriften enthalte, „wonach die Betreiber öffentlich zugänglicher elektronischer Kommunikationsdienste entweder die nationale Regulierungsbehörde oder die Nutzer über Datenschutzverletzungen informieren müssen“. Zudem habe die Kommission unlängst Vorschläge zur Stärkung der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) und zur Bekämpfung von Cyberangriffen vorgelegt.

Der vollständige Bericht zur „E-Communications Haushaltsumfrage“ (Spezial-Eurobarometer Nr. 335, 287 S.) und eine Zusammenfassung dieses Berichtes (51 S.) sind im Internet unter der Adresse 
http://ec.europa.eu/information_society/policy/ecomm/library/ext_studies/index_en.htm zu finden.

Immer mehr Kleinkinder im Internet präsent

Auch Babys und Kleinkinder können sich dem Internet heute kaum entziehen: „Ob sie wollen oder nicht: Mehr als 80 Prozent der Kleinkinder sind mittlerweile bereits in einem Alter von unter zwei Jahren im Web vertreten“. Das hat eine Studie ergeben, die Experten von Research Now, London (http://www.researchnow.com) im Auftrag von AVG Technologies, einem Unternehmen für Internetsicherheit mit Deutschland-Sitz in Göttingen (http://www.avg.com) erarbeitet worden ist. Immer mehr Eltern hinterließen im Internet digitale Spuren ihrer Kinder schon in deren Säuglingsalter oder sogar noch bevor sie geboren sind. Das berichtet Manuel Haglmüller für pressetext.deutschland aus Amsterdam (http://pressetext.de/news/101008004/user-werden-schon-ins-digitale-leben-geboren/).

Die „digitale Geburt“

Ein Drittel der Kinder aus Nordamerika, aus den EU-Staaten Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien sowie aus Australien, Neuseeland und Japan sei „bereits binnen weniger Wochen, nachdem sie zur Welt kommen, mit Fotos und Informationen online präsent“ Die „digitale Geburt“ von Kleinkindern finde heute im Durchschnitt in einem Alter von rund sechs Monaten statt. Zudem häuften sich „hochgeladene Ultraschallbilder“, Berichte und kurze Twitter-Nachrichten über Erfahrungen in der Schwangerschaft.

Kaum Befürchtungen zur Datensicherheit

In den USA habe mit 92 Prozent beinahe jedes Kleinkind noch vor dem zweiten Geburtstag ungefragt „Spuren im Web hinterlassen“. Viele verfügten „bereits als Babys über eigene E-Mail-Adressen“. Ihre Eltern veröffentlichten Fotos oder legten Accounts in sozialen Netzwerken an. Zwar wolle mit über 70 Prozent die Mehrheit der Mütter die Bilder ihrer Neugeborenen nur Freunden und der Familie senden, aber mehr als ein Fünftel „poste“ Fotos oft ganz bedenkenlos, „nur um das eigene Social-Network-Profil mit neuen Inhalten zu bereichern“. Über die Menge an Informationen, „die im künftigen digitalen Leben der Kinder online abrufbar ist“, zeigten sich die Mütter „nur mäßig besorgt“. Während ein heute 30-Jähriger meist nur „eine zehn bis 15 Jahre alte und meist freiwillig gewählte Online-Vergangenheit“ habe, werde die überwiegende Mehrheit der Kinder spätestens im Alter von zwei Jahren vom Internet begleitet - ein Leben lang.

Materialien

Müller, Catherine/ Sander, Gudrun: Innovativ führen mit Diversity-Kompetenz

Vielfalt als Chance. Bern Stuttgart Wien: Haupt Verlag 2009, 208 S., 45,00 Euro, ISBN 978-3-258-07025-4.

Je größer die soziale Vielfalt in einem Unternehmen ist, umso besser kommt es auch mit der Vielfalt seiner Umwelt zurecht. Das schreibt Dr. Pierin Vincenz (Raiffeisen Schweiz) in seinem Vorwort zu diesem Buch. Aber leider werde das Diversity-Management („Vielfalts-Management“) noch zu oft lediglich als imagefördernde Maßnahme verstanden und nicht als unternehmerischer Erfolgsfaktor. Man könne zwar lang und breit über soziale Vielfalt diskutieren, aber erst, wenn das Management durch konkrete Schritte beweise, wie wichtig ihm das Thema ist, könne Diversity-Management einen Beitrag leisten zur Existenzsicherung von Unternehmen und sie fit machen für die Zukunft.

Catherine Müller, Dipl. Arbeits- und Organisationspsychologin und Inhaberin einer Firma für Beratung, Organisationsentwicklung und Coaching (http://www.catmove.ch/) und Dr. Gudrun Sander, Executive School der Universität St. Gallen, (http://www.es.unisg.ch/org/es/) führen in das Diversity-Management ein und wollen Führungskräften zugleich Werkzeuge für die Umsetzung von Diversity-Prozessen in die Hand geben. Zielgruppe der Schweizer Autorinnen sind Führungskräfte, in deren Unternehmen die soziale Vielfalt immer größer wird und wo personalpolitische Themen wie „Altersdurchmischte Teams“, „Rekrutierung von Mitarbeitenden aus dem Ausland“, „Frauen in Führungsfunktionen“ und „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ immer mehr an Bedeutung gewinnen. Es lohne sich in jedem Fall, „die Diversity-Brille aufzusetzen“ und sich auf Lernprozesse einzulassen, in denen die Diversity-Kompetenz zum Teil der Führungskompetenz wird. Diversity-Management sei „relevant und machbar“. „Just do it!“, rufen die Autorinnen jedem ihrer Leser zu.

Der Führungsalltag und die Diversity-Perspektive

Im ersten Kapitel werden – eingebettet in die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen - die Standard-Führungsaufgaben der Personalarbeit aus der Diversity-Perspektive betrachtet. Denn immerhin seien in den deutschsprachigen Ländern, die die Autorinnen im Blick haben, durch „gesellschaftlichen Wertewandel“ und Veränderungen in der Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern viele neue Herausforderungen auch im Erwerbsleben entstanden. Zudem sei ein Viertel aller Erwerbstätigen in diesen Ländern ausländischer Herkunft.

In dem Kapitel werden Diversity-sensible Personalführungsaufgaben im gesamten „betrieblichen Lebenszyklus“, also vom Eintritt einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters bis hin zum Betriebsaustritt, dargestellt. Dabei gehen die Autorinnen auch auf viele „Fallen“ in der Personalarbeit ein, weisen aber auch stets auf vorwärts führende Handlungsmöglichkeiten hin. Und schließlich rücken sie unter dem Gesichtspunkt der Diversity-Kompetenz drei „besonders wichtige Themen“ in das Zentrum ihrer Betrachtungen: „Das Führen von heterogenen Teams“, „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ und „Die Life Domain Balance von Mitarbeitenden“. Der letztere Begriff sei aus der Erkenntnis heraus gewählt worden, „dass es nicht um eine bipolare Gegenüberstellung von Arbeit und Leben („Work Life Balance“) geht oder speziell um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern dass heutzutage ganz unterschiedliche Lebensbereiche miteinander in Einklang stehen sollen.“ Heute gewinne „eine ausgewogene Lebensgestaltung oder ´Life Domain Balance´ für viele Menschen immer stärker an Bedeutung“.

Diversity-Management: Grundlagen und Vision

Warum Diversity in den vergangenen Jahren so an Bedeutung gewann „und weshalb sich der Trend noch verstärken wird“, erfährt der Leser im zweiten Kapitel. Dort werden die Kernthemen detaillierter vorgestellt, mit denen sich das Diversity-Management befassen muss: mit Altersstrukturen, mit Menschen mit Behinderung, mit unterschiedlichen Ethnien oder Nationalitäten, mit Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung und mit der Dimension „Geschlecht“. Da aber die Vielfalt noch „keinen Wert an sich“ darstellt, gewinne „die Berücksichtigung offener Geisteshaltungen und effektiver Instrumente zur Nutzung von Unterschiedlichkeiten“ besondere Bedeutung. Vielfalt, so die Autorinnen, müsse „gestaltet und gesteuert“ werden. Anhand der unternehmerischen Praxis beschreiben sie dann verschiedene strategische Ansätze zur Umsetzung der Vision „Gleichstellung“, der Vision von einer Gesellschaft oder Organisation, „in der alle Mitglieder ihre persönlichen Fähigkeiten und Potenziale frei entwickeln und entfalten können, ohne durch Geschlechter differenzierende und andere Rollenmuster oder sonstige Zuschreibungen eingeschränkt zu werden“. Der Ansatz des Diversity Managements erscheint hier als effektivste Antwort auf die aktuellen Herausforderungen.

Umgang mit dem Reizwort „Gleichstellung“

Die Widerstände („die eigenen und die der anderen“) gegenüber der Gleichstellung von Frau und Mann werden im dritten Kapitel näher analysiert. Dabei wird versucht, Ursachen für diese Widerstände zu klären. Der Leser erhält Fakten und Hintergrundinformationen, die helfen sollen, die „typische Argumentationsmuster“ derer zu entkräften, die dem Gleichstellungsziel ablehnend oder „mit einer gewissen Ambivalenz“ begegnen. Es wird notwendiges Rüstzeug für einen „professionellen Umgang mit den unterschiedlichen Argumenten“ und für den „differenzierten ´inneren´ und ´äußeren´ Dialog“ zum Ziel der „Gleichstellung“ vermittelt.

Diversity-Kompetenz im Unternehmen als Ganzes

Eine Auswahl „aus vielen guten Beispielen“ zeigt im vierten Kapitel, wie die Diversity-Aspekte in die verschiedenen Aufgabenbereiche des Managements integriert werden können, „sowohl im Profit- als auch im Non-Profit-Bereich“. Dabei geht es um die Inhalte von Leitbildern und um die Formulierung strategischer Ziele, um die Verankerung des Themas „soziale Diversität“ in den Weisungsbefugnissen und in den Organisationsstrukturen, um den „Diversity-Reifegrad“ der Unternehmenskultur und um die „gelebte Diversity“ in den verschiedenen Prozessen.

Anhand einer „Checkliste für die Diversity kompetente Organisation“, die das Kapitel abschließt, aber auch schon anhand kleiner Fragenkataloge am Ende eines jeden Abschnitts kann der Leser ermitteln, wo das eigene Unternehmen im Hinblick auf diese wichtige Führungsaufgabe steht. Und für Leser, die sich noch weiter in die Thematik vertiefen möchten, dürften die „Kommentierten Literaturhinweise“ im Anhang recht hilfreich sein.

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