Die Bank für Sozialwirtschaft als Corporate Citizen

Das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen (Corporate Citizenship) gerät in den letzten Jahren immer stärker in den Focus der Aufmerksamkeit. Im Zuge der Diskussionen um sich wandelnde Rollen von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist zu erwarten, dass Unternehmen sich künftig verstärkt neue Felder suchen, wo sie aktiv werden und in denen nicht die eigene Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, sondern eine Win-Win-Suituation für alle Beteiligten.

Für die Bank für Sozialwirtschaft haben ein finanzielles Engagement für das Sozial- und Gesundheitswesen und auch der Einsatz zahlreicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weit über ihre Arbeitszeit hinaus Tradition. Denn die BFS bewegt sich aufgrund ihrer speziellen Ausrichtung an einer Schnittstelle zu sozialen Organisationen, die in Wirtschaftsunternehmen in der Regel nicht gegeben ist.

Erfolgsbeteiligung statt Spenden

Bereits 1972 wurde die BFS-Erfolgsbeteiligung für Kunden der Bank eingeführt, deren Einrichtung oder Organisation einem der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege angehören. Dies geschah vor dem Hintergrund, dass die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege die Gründer der BFS waren. Bis heute repräsentieren sie den überwiegenden Teil der Kunden und halten (teilweise inzwischen über ihre Stiftungen) den größten Anteil an Stammaktien der Bank. Bei der BFS-Erfolgsbeteiligung handelt es sich um eine Art zusätzlichen Zins auf Girokontoguthaben, der einmal jährlich ausgeschüttet wird. Seit 1972 hat sich die Summe der ausgeschütteten „Erfolgsbeteiligung“ auf fast 63 Millionen Euro summiert. Allein für das Jahr 2003 wurden 3,74 Millionen Euro ausgeschüttet. Da die Erfolgsbeteiligung proportional zur Nutzung des Girokontos ausgeschüttet wird, ist sie zugleich Maßstab dafür, wie intensiv die Kunden mit der BFS zusammenarbeiten. Für die BFS – die durch ihren fast ausschließlich gemeinnützigen Kundenkreis ständig Spendenanfragen erhält – bietet die Erfolgsbeteiligung eine Möglichkeit, Geld auszuschütten und zugleich in ihrem Sinne gerecht zu verteilen.

Das Thema Sozial-Sponsoring wurde von der BFS zu einem Zeitpunkt aufgegriffen, als es für die Sozialwirtschaft noch fast ein Fremdwort war, nämlich Anfang der 90er Jahre. In der Annahme, dass das Instrument Sozial-Sponsoring künftig eine neue Finanzierungsmöglichkeit  für die Sozialwirtschaft werden könnte, bot die BFS Service GmbH bereits 1991 Tagesseminare zum Thema Sozial-Sponsoring an, um Interessenten mit den Grundzügen des Themas vertraut zu machen. Schon damals wurde ein eigener Seminarteil darauf verwendet, sie Sichtweise der Wirtschaft und ihr Interesse an einem Sozial-Sponsoring zu verdeutlichen. Das Seminar ist in den letzten zwölf Jahren – in immer wieder veränderter und weiter entwickelter Form – mehrere hundert Male durchgeführt worden. Bis heute wird es gelegentlich nachgefragt.

BFS als Sponsor

  Als Sponsor handelt die Bank für Sozialwirtschaft nach einem internen Kriterienkatalog, um die Vielzahl der Anfragen zu strukturieren. Als Schwerpunkt hat sich das Sponsoring von Tagungen und Kongressen, die das Thema „Fundraising“ in den Mittelpunkt stellen, herauskristallisiert. So ist die BFS z.B. seit Jahren Hauptsponsor des Deutschen Fundraising-Kongresses, unterstützt das jährlich stattfindende Fundraising-Forum in Bad Honnef und im Jahr 2004 erstmals auch die „kollekta“, die Fundraising-Fachtagung für Kirche, Caritas und Diakonie. Dieses Engagement bietet den Beteiligten eine eindeutige Win-Win-Situation: Den Veranstaltern sichert der gesponserte Betrag zu einem Teil die Durchführung ihrer Veranstaltungen. Für die BFS hat das Sponsorship von Fundraising-Veranstaltungen mehrere Komponenten: Zum einen dient es der Kontaktpflege und der Kontaktaufnahme zu (potentiellen) Bankkunden. Zum zweiten kann per Präsentation am Stand der Bank oder auch in Form von Workshops o. ä. während der Veranstaltungen selbst die Kompetenz der BFS als spezieller Dienstleister für Fundraiser dargestellt werden. So bietet die BFS mit dem Multifunktionalen Kontonummernsystem bereits seit 1985 eine spezielle technische Möglichkeit zur effizienten Abwicklung von großen Mengen an Zahlungseingängen an, die bisher keine andere deutsche Bank kopieren konnte. Für das Internet-Fundraising hält sie bereits mehrere Angebote bereit, die die Akquisition und Abwicklung von Spenden über das Internet erleichtern (BFS-Net.Tool, BFS-Xtra, BFS-Newsletter-Tool).

Ein Hintergrund für dieses Engagement ist auch, dass die BFS die zunehmende Notwendigkeit für Einrichtungen und Organisationen des Sozial- und Gesundheitswesens, durch neue Wege in der Finanzierung ihre Zukunft sichern, im Auge hat. Daher unterstützt sie den Aufbau eines entsprechenden Know-hows. Dabei hat die BFS ein ureigenes Interesse, das mit dem der Kunden kongruent ist: Nur wirtschaftlich gesunde Einrichtungen haben eine Marktchance und nur wirtschaftlich gesunde Einrichtungen sind gute Kunden.

In diese Richtung gehen auch andere Aktivitäten der Bank für Sozialwirtschaft, die heute als Maßnahmen des Corporate Citizenships betrachtet werden können – aufgrund der engen Verflochtenheit der BFS mit der Sozialwirtschaft aber nie so betrachtet worden sind.

BFS als Impulsgeber

Eines der frühen Beispiele war die Initiierung einer Kontaktbörse für ehrenamtliche Sozialarbeit im Jahr 1991 – also lange, bevor Freiwilligenagenturen oder Ähnliches in Deutschland etabliert waren, und lange, ehe der Begriff „Corporate Citizenship“ in Deutschland überhaupt auftauchte. Damals schlug die BFS der größten Kölner Tageszeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor, im redaktionellen Teil der Zeitung eine „Kontaktbörse“ für ehrenamtliche Arbeit einzurichten, in der soziale Organisationen Aufgaben, für die sie ehrenamtliche Mitarbeiter suchten, inklusive Kontaktadresse vorstellen konnten. Hintergrund für diese Idee war, dass sich schon damals zahlreiche Organisationen beklagten, dass es immer schwerer werde, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden, gleichzeitig aber bereits eine Allensbach-Studie von 1985 ein großes Potential von Menschen ausgemacht hatte, die grundsätzliches Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit geäußert hatten.

Die Idee der BFS damals war, dass man neue Wege beschreiten muss, Ehrenamtliche zu finden – und dass in der Bevölkerung stärker bekannt gemacht werden muss, welche vielfältigen Aufgaben ein Ehrenamtlicher wahrnehmen kann. Bei der Initiative stand im Vordergrund, dass sich der „Kölner Stadtanzeiger“ mit einer solchen Aktion hervorragend als sozial engagierte Zeitung profilieren kann – d.h. aus heutiger Sicht wurde das Angebot gemacht, sich als „Corporate Citizen“ darzustellen. Die Redaktion hat die Idee aufgegriffen und Anfang 1992 umgesetzt – und sie ist auf allen möglichen Ebenen (Stadt, Wohlfahrtsverbände, Bevölkerung etc.) auf sehr positive Resonanz gestoßen. Zunächst wurde die „Kontaktbörse“  nur im Stadtbereich Köln veröffentlicht, später in allen Regionalausgaben des „Kölner Stadt-Anzeigers“. Sie lief so lange, bis es keine Nachfrage seitens der sozialen Organisationen mehr gab.

Das Anliegen der BFS bei dieser Initiative war nicht nur, zu zeigen, dass es neue Wege zur Akquisition Ehrenamtlicher gibt (und dass diese funktionieren), sondern auch, dafür zu sorgen, dass diese Idee Nachahmer findet. Daher wurde in der BFS-Info ausführlich über die „Kontaktbörse“ berichtet. Die Leser wurden dazu aufgefordert, die Idee mit einer Tageszeitung in ihrer eigenen Region umzusetzen. Allen Interessenten wurde die gesamte Argumentation, die die BFS gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ verwendet hatte, zur Verfügung gestellt. In mehreren Regionen wurden daraufhin ebenfalls „Kontaktbörsen“ über Tageszeitungen eingerichtet. Oft scheiterte die Umsetzung der Idee allerdings daran, dass diejenigen, die sie zunächst spannend fanden, zu sehr auf ihren Eigennutz bedacht waren: Die „Kontaktbörse“ in Köln war für alle Organisationen offen, gleich, ob öffentlich oder (frei)gemeinnützig – und der interessierte Bürger sollte sich die Tätigkeit aussuchen können, die ihn am meisten interessierte. Die „Nachahmer“ aber hätten es oft am liebsten gehabt, dass nur ihre eigene Organisation den Nutzen aus der Kontaktbörse ziehen sollte... Hier zeigte sich im Kleinen schon ein Phänomen, mit dem die Freiwilligenagenturen manchmal noch heute zu kämpfen haben.

  Auf einer ähnlichen Ebene liegt die Idee zum Wettbewerb Sozialkampagne, den die BFS erstmals 1997/1998 durchgeführt hat und der zur Zeit zum vierten Mal läuft. Hier geht es unter anderem darum zu zeigen, dass Einrichtungen und Organisationen des Sozial- und Gesundheitswesens auch mit wenig Geld in der Lage sind, sehr spannende Werbung für ihre Anliegen zu machen. Vorausgesetzt, sie engagieren sich so stark, dass sie eine professionell arbeitende Werbeagentur dafür gewinnen, „pro bono“ für sie eine Kampagne zu kreieren und dass sie z.B. Zeitungen und Zeitschriften überzeugen können, Freischaltungen für dieses Thema zu vergeben.

Im Wettbewerb Sozialkampagne der Bank für Sozialwirtschaft werden Anzeigenkampagnen ausgezeichnet, die sich mit einem sozialen Thema beschäftigen. Teilnahmeberechtigt sind Einrichtungen und Organisationen des Sozial- und Gesundheitswesens in Deutschland und ihre Agenturen. Die Preise sind mit EUR 5.000,-, EUR 2.500,- und EUR 1.500,- dotiert. Die Bewertung erfolgt nach einem Punktesystem, indem die Kriterien „Idee/Innovationskraft“, „Aufmerksamkeitsstärke“, „Zielsetzung und Umsetzung des Anliegens“, aber auch die Art der Agenturleistung (Spende, Selbstkostenpreis oder reguläres Agenturhonorar) sowie weitere Sponsorships (Freischaltungen etc.) berücksichtigt werden. Die beiden letzten Kriterien sollen das Engagement der Organisationen berücksichtigen, ihr Anliegen auch mit wenig Geld an die Öffentlichkeit zu bringen. Die ersten Plätze wurden bei den bisher durchgeführten Wettbewerben von Kampagnen belegt, für die die Agenturen „pro bono“ gearbeitet haben und für die zahlreiche weitere kostenfreie Leistungen akquiriert worden waren.

Um den Kunden der Bank zu zeigen, wie Werbung für soziale Themen heute aussehen kann, wurden nach den ersten beiden Wettbewerben in verschiedenen Städten, in denen die BFS präsent ist, Ausstellungen der (ca. 20) besten Wettbewerbsbeiträge präsentiert. Der zweite Wettbewerb wurde zudem im Geschäftsbericht 2000 dokumentiert. Durch Letzteres hatte die BFS die Gelegenheit, sich mit dem „Wettbewerb Sozialkampagne“ auch ihren Partnern im Bereich der Geschäftsbanken etc. auf eine nicht unbedingt bankübliche und zugleich spannende und zum Profil der Bank passende Art und Weise zu präsentieren. Der dritte Wettbewerb wurde in Form einer Broschüre dokumentiert, die bis heute als pdf-Datei von der Website der Bank (www.sozialbank.de) downgelaoded werden kann. Unter www.sozialbank.de – Aktuelles sind derzeit die Bewerbungsunterlagen für den vierten Wettbewerb Sozialkampagne zu finden.

In diesen beiden Beispielen zeigt sich sehr deutlich die Umsetzung eines Anliegens, das zur Grundhaltung der Bank gehört: Den Kunden und anderen Interessierten aus dem Sozial- und Gesundheitswesens aktuelle Entwicklungen und neue Themen präsent zu machen und sie bei der Bewältigung neuer Herausforderungen zu begleiten.

Im „Kleinen“, d.h. in Form von Publikationen und Seminaren zu neuen Themen im Bereich „Sozialmanagement“ zeigt sich dies ständig. Ein Beispiel für den Seminarbereich wurde oben mit „Sozial-Sponsoring“ bereits genannt. Nun ein Beispiel aus dem Bereich „Publikationen“:  Die erste Veröffentlichung zum Thema „Corporate Citizenship“ brachte die Bank für Sozialwirtschaft im Herbst 1996 in der BFS-Info. Autor damals war Achim Westebbe, zu dieser Zeit Mitarbeiter im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Er hatte (gemeinsam mit David Logan) bereits damals ein Buch zu diesem Thema („Corporate Citizenship. Unternehmen im gesellschaftlichen Dialog“) veröffentlicht. Für die deutsche Sozialwirtschaft kam das Thema viel zu früh.

Selbst der Beitrag von Dieter Schöffmann zum Thema „Bürgerschaftliches Engagement durch Unternehmen und ihr Personal – eine Chance für soziale Verbände und Einrichtungen“, veröffentlicht im Frühjahr 2000, stieß zunächst noch auf geringes Interesse. Richtig nachgefragt wurde er erst, nachdem Dieter Schöffmann und Ulla Eberhardt den USable-Preis der Körber-Stiftung für das Thema „Corporate Volunteering“ gewonnen hatten. Die weitere Diskussion zum Themenkomplex „Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen“ – vor allem im Jahr der Freiwilligen 2001 – wurde von der BFS durch verschiedene Berichte, z.B. über Tagungen und Kongresse, begleitet. Im Jahr 2002  wurde wieder ein Fachbeitrag publiziert: „Unternehmen in der Gesellschaft – Neue Bedingungen für Partnerschaften“, ebenfalls von Dieter Schöffmann. Hier wurde der damals aktuelle Diskussionsstand zu diesem Thema dargestellt.

Die BFS geht davon aus, dass dieses Feld für die Sozialwirtschaft in Zukunft noch erheblich an Bedeutung gewinnen wird, z.B. indem sich der Trend, dass sich Unternehmen statt Geld zu geben andere Formen des Engagements aussuchen, weiter verstärken wird. Noch haben Einrichtungen und Organisationen des Sozial- und Gesundheitswesens die Chance, hier gestaltend mitzuwirken. Wenn die Wirtschaft erst einmal ihre eigenen Wege gefunden hat, dieses Anliegen umzusetzen, wird dies schwerer werden.

BFS-Mitarbeiterengagement

Neben allem Beschriebenen gibt es auch eine praktische Ebene, auf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank in zahlreichen Einrichtungen und Organisationen der Sozialwirtschaft ehrenamtlich arbeiten. Wie hoch das Engagement hier insgesamt ist, wird nicht erfasst. Es gibt keine Institutionalisierung dieses Engagements z.B. im Sinne eines Corporate-Volunteering-Programms.

Einige Funktionen sind jedoch intern bekannt. Denn sie betreffen Positionen, die im weiteren Sinne für das Geschäft der Bank wichtig sind. So stellt die BFS z.B. ein Kuratoriumsmitglied und einen Vorstand im Kuratorium Deutsche Altershilfe, den stellvertretenden Landesvorstand des Paritätischen Landesverbandes NRW, ein Mitglied des Finanzausschusses im DRK-Generalsekretariat, einen Aufsichtsrat in der Lebenshilfe Berlin und die Schatzmeisterin des Deutschen Kinderhilfswerks.

Ausblick

Die Bank für Sozialwirtschaft wird die Entwicklung des „Corporate Citizenship“ weiter begleiten und ihren Kunden immer wieder Hinweise geben, wie sie das wachsende gesellschaftliche Engagement von Unternehmen für sich nutzen können.

Eigene Aktivitäten der Bank werden wie bisher aus ihrem Selbstverständnis heraus entstehen und an Wandlungsprozessen der Sozialwirtschaft anknüpfen. Ziel der BFS dabei ist es, ein Partner und nicht nur ein Kreditinstitut für ihre Kunden zu sein.