Wer spendet in Deutschland?    Auf dem Weg zum Aufbau einer nationalen Spendenberichterstattung

 

Spenden sind gegenwärtig in Deutschland nicht nur eine bedeutende Ressource zur Gewährleistung einer schnellen und direkten Hilfe im Katastrophenfall sowie bei der Milderung und Beseitigung bestimmter Notsituationen, sondern haben auch einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert bei der gezielten Gestaltung verschiedener gesellschaftlicher Bereiche, für die Mittel aus anderen Quellen fehlen. In diesem breiten Sinne erfüllen Spenden eine bedeutende Rolle bei der Realisierung oder Unterstützung der vielfältigen Ziele und Aufgaben von Nonprofit-Organisationen. Ob im sozialen Bereich, in der Kultur, der Bildung, der internationalen Hilfe und Unterstützung oder zur Verbesserung der Freizeitgestaltung – im gesellschaftlichen Alltag haben sich Spenden inzwischen als unverzichtbar erwiesen.

Wie hoch ist die Spendensumme, die jährlich in Deutschland zusammenkommt? Wer von den Bundesbürgern spendet eigentlich? Sind es eher die vermögenden Schichten, die etwas von ihrem Wohlstand abgeben oder handelt es sich heute um eine allgemeine „Kultur des Gebens“, die in allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen ausgeprägt ist?

Das Fehlen allgemein zugänglicher und regelmäßig verfügbarer Angaben, die Antworten auf diese und weitere Fragen zur Spendenthematik liefern, wird bereits seit längerer Zeit in Deutschland kritisiert. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurden in dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten und am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) realisierten Projekt „Spenden und ihre Erfassung in Deutschland: Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“, dessen Ergebnisse seit Anfang des Jahres vorliegen, vorhandene Erhebungen der amtlichen Statistik und aus Umfragen auf ihre Aussagekraft hinsichtlich Spenden analysiert. Gleichzeitig wurde eine Methodik für eine kontinuierliche nationale Spendenberichterstattung entwickelt. Entsprechend fundierte und regelmäßig verfügbare Angaben in Form eines Spendenreports, die dazu beitragen sollen, dem Nonprofit-Bereich, der Politik sowie und breiten Öffentlichkeit zuverlässige Daten bereitzustellen, wie sie in anderen Ländern seit längerem verfügbar sind, fehlen bislang in Deutschland.

Eine Reihe neuer Studien präsentieren zwar aktuelle Zahlen zum Spendenverhalten und zum Spendenvolumen in Deutschland, es fehlen aber bislang noch immer gesicherte statistische Angaben zur Spendenthematik. So wird die Gesamtsumme der Spenden in Deutschland recht unterschiedlich geschätzt und ein Wert zwischen drei und sechs Milliarden Euro pro Jahr angenommen. Auch galten die Bundesbürger lange Zeit als wenig spendenfreudig. Hohe einkommensbezogene Abgaben und die Einziehung der Kirchensteuer durch den Staat wurden als hinderlich für die Entfaltung entsprechender Aktivitäten angesehen. Ein internationaler Vergleich auf der Grundlage des European Social Survey, der nach Spenden für Organisationen in den letzten zwölf Monaten gefragt hat, korrigiert indessen dieses Bild. Demnach liegt die Spendenbeteiligungsquote in Deutschland mit 32 Prozent bei den befragten Personen sogar leicht über dem europäischen Durchschnitt von 26 Prozent. Nur die Niederländer (45 %), Schweden (44 %), Norweger (41 %), Briten (39 %), Österreicher (37 %) und Dänen (34 %) spendeten, gemessen an der Bevölkerung, mehr als die Deutschen, während die Spendenbeteiligungsquoten in einer Reihe anderer Länder, zu denen z. B. auch die Belgier, Franzosen, Finnen, Spanier und Italiener gehören, zum Teil beträchtlich geringer ausfielen. Den Deutschen kann also durchaus eine „Kultur des Gebens“ bescheinigt werden.

In anderen Untersuchungen schneiden die Deutschen sogar noch besser ab. Der „Emnid-Spendenmonitor“, der in der Vergangenheit jährlich mit einer repräsentativen Stichprobe in persönlichen Interviews das Spendenverhalten der Bevölkerung ab 14 Jahren erfasste, kommt im Durchschnitt zu einer 40-Prozent-Spenderquote. Im Zusammenhang mit der Elbe-Flut stieg die Spendenbeteiligungsquote im Jahr 2002 demnach sogar auf 47 Prozent. Während der Anteil der Spender also über einen längeren Zeitraum relativ gleich blieb, bestehen gleichzeitig beträchtliche regionale Unterschiede. So liegt die Spendenbeteiligungsquote in den alten Bundesländern noch immer im Durchschnitt um 10 Prozentpunkte höher als in den neuen Bundesländern und auch ein deutliches Süd-Nord-Gefälle ist auszumachen. Eine Ausnahme bilden aber auch hier besondere Katastrophenfälle, denn im Jahr der Elbe-Flut lag z. B. die Quote im Westen wie im Osten auf gleichem Niveau.

Neben dem Anteil der Personen, die spendeten, ist die Höhe der durchschnittlichen Spenden über einen langen Zeitraum relativ konstant geblieben. Allerdings ist dieser Wert im Jahr 2001 offensichtlich im Kontext der Einführung des Euro sprunghaft um 20 Prozent angestiegen und in den Jahren danach auf diesem Niveau verblieben. Während die Spendenhöhe von Mitte der 1990er Jahre bis zur Jahrtausendwende bei rund 80 Euro je Spender lag, stieg sie in den folgenden Jahren um 20 Prozent und erreichte 2004 eine Höhe von 101 Euro. Diese, wie auch andere Erhebungen, so z. B. der Freiwilligensurvey, eine vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Robert Bosch Stiftung finanzierte spezielle Erhebung zum freiwilligen Engagement, mit der bisher 1999 und 2004 jeweils rund 15.000 Bundesbürger älter als 14 Jahre befragt wurden, zeigen, dass in allen Schichten der Bevölkerung gespendet wird. Dennoch lassen sich über die Jahre in den verschiedenen soziodemographischen Gruppen Unterschiede im Spendenverhalten ausmachen. So liegt die Spendenbeteiligung bei den Frauen etwas höher als bei den Männern und sie steigt mit dem Alter an. Als Ursachen dafür sind verschiedene Faktoren auszumachen. So trägt die in der Regel mit dem Alter einhergehende gesicherte wirtschaftliche Situation offenbar zur Zunahme der Spendenbereitschaft bei, was bei den Rentnern zur höchsten Spendenbeteiligungsquote führt. Nach der beruflichen Stellung nehmen Beamte und Selbständige Spitzenpositionen ein.

Es ist allerdings nicht zu übersehen, dass trotz der deutlich höheren Spendenbeteiligung der wirtschaftlich gut dastehenden Gruppen sich auch Personen aus den anderen soziostrukturellen Gruppen in einem beachtlichen Maße engagieren. Offensichtlich zählen also nicht nur die wirtschaftliche Lage, sondern auch ideelle, moralische und solidarische Werte bei der Spendenentscheidung. So befördert beispielsweise allein die Zugehörigkeit zu einer Konfession die Wahrscheinlichkeit des Spendens. Hingegen bleiben die Unterschiede zwischen den Mitglieder der beiden großen Kirchen gering.

Perspektivisch können gemeinnützige Einrichtungen, Vereine und Verbände in Deutschland auch künftig mit Spenden rechnen. Die Frage, ob das Gesamtvolumen der über Spenden bereitgestellten Mittel künftig beträchtlich steigen wird, kann allerdings nicht eindeutig positiv beantwortet werden.  

Zielstellungen einer nationalen Spendenberichterstattung

Die zunehmende Aufmerksamkeit und die gestiegene praktische Bedeutung, die Spenden in den letzten Jahren auch in Deutschland erfahren haben, machen eine öffentlich zugängliche, wissenschaftlich fundierte, den unterschiedlichen Erfordernissen der Gegenwart und Zukunft sowie internationalen Standards entsprechende Spendenberichterstattung in Deutschland erforderlich.

Ziel einer Spendenberichterstattung ist es, dauerhaft, mit einem Netz aus möglichst wenigen, doch qualitativ hochwertigen Angaben gesicherte Informationen über das Spendenwesen zu gewinnen. Eine solche Berichterstattung schließt differenzierte Analysen zu allgemeinen Veränderungen und Entwicklungen im Spendenaufkommen ebenso ein wie Betrachtungen der Motivation und Aussagen zur Sozialstruktur der Spender. Neben dem Zusammentragen und der Systematisierung vorhandener Angaben besteht eine der wichtigsten Aufgaben einer künftigen nationalen Spendenberichterstattung aber auch darin, zahlreich vorhandene Datenlücken zu schließen. Zugleich ist zu betonen, dass eine Spendenberichterstattung nicht alle anstehenden Fragen zur Spendenthematik beantwortet, denn in der Regel handelt es sich um eine Berichterstattung mit stark aggregierten Daten, die auf Bundesebene, in großflächigen regionalen Vergleichen oder für einzelne sozialstrukturelle Gruppen Größenordnungen und Trends zum Spenden aufzeigt.

Beim Aufbau einer deutschen Spendenberichterstattung sind vorhandene Erfahrungen anderer Länder umfassend zu nutzen, auch um den internationalen Vergleich sowie insgesamt die internationale Perspektive ausreichend zu berücksichtigen.

Eine regelmäßige Spendenberichterstattung bedarf einer festen institutionellen Anbindung, klarer Zuständigkeiten und eines Mindestmaßes an finanzieller Absicherung – Voraussetzungen, die bislang in Deutschland nicht gegeben sind. Darüber hinaus ist eine enge Zusammenarbeit von einschlägigen Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen sowie Vertretern aus den Bereichen Politik, Staat und gemeinnützigen Organisationen erforderlich. Eine vielfältige Vernetzung und die Rückkopplung in verschiedene Gesellschaftsbereiche dient einer stetigen Verbesserung der Berichterstattung und sichert eine bedarfsgerechte Bereitstellung der Informationen.

In diesem Sinne steckt die vorgelegte Konzeption für den Aufbau einer nationalen Spendenberichterstattung den Rahmen ab – vieles bedarf der praktischen Erprobung, und die Möglichkeiten für künftige Veränderungen sollten nicht zu eng gefasst sein. Internationale Erfahrungen und die Nutzung bereits in Deutschland vorhandener Datenquellen haben in der vorgeschlagenen Vorgehensweise einen hohen Stellenwert. Daher steht in der Konzeption nicht die Forderung nach neuen, umfassenden und kostenaufwendigen Primärerhebungen an erster Stelle, sondern es wird einem Vorgehen der Vorzug gegeben, das von einer möglichst umfassenden Berücksichtigung vorhandener Daten ausgeht. Inwiefern zur Schließung bestimmter Lücken und zur Deckung des künftigen Informationsbedarfs weitere Erhebungen erforderlich sind, kann letztlich erst die praktische Umsetzung der Konzeption zeigen.

 

Inhaltliche Ausrichtung und Struktur der Spendenberichterstattung

Ausgangspunkt einer Spendenberichterstattung ist die inhaltliche Bestimmung dessen, was unter Spenden zu verstehen ist. Ganz allgemein fasst man unter Spenden Transfers von Geld, Sachen oder Zeit. Teilweise werden auch die Aufwendungen für Wohlfahrtsbriefmarken, Weihnachtskarten, Lotterie- und Tombolalose sowie Benefizveranstaltungen und der Kauf von Produkten, deren Erlös gemeinnützigen Zwecken zu Gute kommt, in eine Spendendefinition miteinbezogen. Die wichtigsten Merkmale einer Spende sind die Freiwilligkeit und der Ausschluss jeglicher äquivalenter materieller Gegenleistungen. Die Spenden gehen direkt an Bedürftige oder werden von gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Organisationen gesammelt.

Eine in Deutschland aufzubauende Spendenberichterstattung sollte sich auf die Berücksichtigung von Geld- und Sachmitteln konzentrieren und diese vorerst in den Mittelpunkt der Berichterstattung stellen.

Ausgehend von den Quellen bzw. der Herkunft der Spenden ist bei Geld- und Sachspenden an Bedürftige und gemeinnützige Organisationen zu unterscheiden zwischen:

Einzelspenden, die von Privatpersonen und Haushalten erbracht werden;

Erbschaften, die von Privatpersonen veranlasst werden;

Unternehmensspenden;

Zuwendungen von Stiftungen.

Für die deutsche Spendenberichterstattung ist aus Gründen des Bedarfs und der Datenverfügbarkeit in einer ersten Phase (Basisberichterstattung) eine Konzentration auf die Spenden von Privatpersonen und Haushalten (Einzelspenden) sinnvoll. In weiteren Ausbauphasen kann eine solche Basisberichterstattung um Angaben zu den anderen Herkunftsquellen erweitert werden.

Eine Spendenberichterstattung sollte folgende Informationen umfassen:

Erstens monetäre Angaben zur Höhe des nationalen Spendenaufkommens, zur durchschnittlichen Höhe der Einzelspenden und zur Höhe der Spenden verschiedener sozialstruktureller oder territorial-räumlicher Gruppen. Sinnvoll ist es auch, die Verwendungszwecke der Spenden auszuweisen. Dazu bietet sich eine international häufig eingesetzte Klassifikation an, die auf das Johns Hopkins-Projekt zurückzuführen ist und die Bereiche Kultur und Freizeit, Bildung und Forschung, Gesundheit, Soziale Dienste, Umwelt- und Naturschutz, Internationale Aktivitäten, Wohnungswesen und Beschäftigung, Stiftungswesen, Religion, Wirtschafts- und Berufsverbände sowie Gewerkschaften beinhaltet.

Zweitens sollte die Spendenberichterstattung neben finanziellen Daten Häufigkeitsangaben enthalten; dabei handelt es sich um Daten, die darüber Auskunft geben, zu welchen Anteilen  und wie häufig die Bevölkerung in Deutschland spendet. Neben der allgemeinen Spendenbeteiligungsquote sind entsprechende Angaben für diverse sozialstrukturelle oder territorial-räumliche Gruppen auszuweisen.

Drittens sollten in der Spendenberichterstattung Angaben enthalten sein, die Aussagen zu den Spendenformen treffen, d. h. über die Wege und Mittel informieren, derer sich die Spender bedienen, um seine Spende an den Adressaten zu bringen. Wichtige Spendenformen sind neben Bareinzahlungen, Überweisungen, Daueraufträgen, Lastschriftverfahren, Straßen- und Haustürsammlungen und Telefonspenden auch zunehmend Onlinespenden.

Viertens muss die Spendenberichterstattung Angaben zur potentiellen Spendenbereitschaft, zu Spendermotiven, zu Hinderungsgründen und zu allgemeinen Einstellungen zur Spendenthematik aufnehmen. Bei diesen Angaben handelt es sich um subjektive Bewertungen von Spendern und Nichtspendern, deren jeweilige Ausprägung in der Gesamtheit oder separat in sozialstrukturellen oder territorial-räumlichen Gruppen unterschiedlich sein kann.


 

Indikatoren und verfügbare Datenbasis

Eine vollständige Übersicht über die Indikatoren einer künftigen Spendenberichterstattung ist zurzeit nur begrenzt möglich. Zwar stehen die zentralen Kennziffern für die monetären Spendenangaben, zur Spendenbeteiligung und zu den Spendenformen fest, dies ist aber für die subjektiven Indikatoren bei weitem nicht der Fall. Die Datenauswahl reduziert sich hier gegenwärtig auf die Entscheidung, welche Angaben in durchgeführten Erhebungen vorhanden sind und ob die Qualität der Daten es rechtfertigt, sie für die Spendenberichterstattung zu nutzen. Die Spendenberichterstattung kann vorerst aus Gründen nicht verfügbarer Mittel nur in einem begrenzten Maße methodisch selbst konstruktiv tätig werden. Stattdessen gilt es anfangs eher, verfügbare Daten zusammenzutragen und sie umfassend methodisch zu dokumentieren. Ein abschließendes Urteil über die Wertigkeit einzelner Daten ist in der Aufbauphase noch weitgehend dem Nutzer zu überlassen. Dies wird sich in einem späteren Stadium durch das stärkere Vorhandensein von Erfahrungswerten, die Zunahme methodischer Tests und die möglicherweise zur Verfügung stehenden Mittel durchaus anders gestalten lassen.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht, welche Indikatoren in der Spendenberichterstattung einen zentralen Stellenwert einnehmen und aus welchen Quellen entsprechende Daten zur Verfügung stehen (vgl. Tabelle 1).


 

Tabelle 1: Übersicht über die wichtigsten Datenquellen und zentralen Indikatoren

Indikatoren

Datenquellen

Zeitliche Verfügbarkeit

Spezifik der Datenquellen und des Zugangs

Individuelle Spendenhöhe

 

 

Laufende Wirtschafts-rechnung (LWR) der amtlichen Statistik

Jährlich

Zeitverzögerung bei Datenverfügbarkeit bis zu zwei Jahren.

Einkommens- und Verbrauchsstatistik (EVS) der amtlichen Statistik

Alle 5 Jahre

Erscheint nur alle 5 Jahre mit einer Zeitverzögerung bis zu zwei Jahren.

Freiwilligensurvey

Alle 5 Jahre

Erscheint nur alle 5 Jahre.

Emnid-Spendenmonitor

Jährlich

Zusatzkosten bei Ankauf des Datensatzes nicht abschätzbar.

GfK-Charity*Scope

Jährlich

Ergebnisse nur über die jährlich stattfindende Pressekonferenz verfügbar oder durch den Kauf der Daten, Zusatzkosten nicht abschätzbar.

Spenden in Deutschland

Jährlich

Dauerhafte Verfügbarkeit, hohe Zusatzkosten bei Ankauf des Datensatzes.

Nationales Spendenaufkommen

Statistisches Bundesamt:

LWR, EVS, Lohn- und Einkommensteuerstatistik

LWR: jährlich

EVS: alle 5 Jahre

ESt-Statistik: alle 3 Jahre

LWR: Zeitverzögerung bei Datenverfügbarkeit bis zu zwei Jahren.

EVS: Erscheint nur alle 5 Jahre mit einer Zeitverzögerung bis zu zwei Jahren.

ESt-Statistik: Erscheint nur alle 3 Jahre

Freiwilligensurvey

Alle 5 Jahre

Durchführung nur alle 5 Jahre.

Emnid-Spendenmonitor

Jährlich

Keine Ausweisung des Spendenaufkommens. Zusatzkosten bei Ankauf des Datensatzes nicht abschätzbar.

GfK-Charity*Scope

Jährlich

Ergebnisse nur über die jährlich stattfindende Pressekonferenz verfügbar oder durch den Kauf der Daten, Zusatzkosten nicht abschätzbar.

Verwendungszwecke

Emnid-Spendenmonitor

Jährlich

Beide Erhebungen verwenden jeweils eine spezielle Klassifikation.

GfK-Charity*Scope

Jährlich

Spendenformen

GfK-Charity*Scope

Jährlich

Die GfK erfasst die Spendenformen, d. h. wie Spenden abgewickelt werden, weist dafür aber keine Anteile aus.

Spendenformen der Studie Spenden in Deutschland werden mit offener Frage erfasst. Kosten bei Ankauf der Datensätze nicht abschätzbar.

Spenden in Deutschland

Jährlich

Spendermotive

Spenden in Deutschland

Jährlich

Spendermotive werden mit offener Frage erfasst, sind noch nicht hinreichend geprüft. Kosten bei Ankauf des Datensatzes nicht abschätzbar.


 

Die bisherige Datenlage zu Spenden ist in Deutschland ausgesprochen heterogen und zum Teil lückenhaft. Dennoch bieten die vorhandenen Daten eine ausreichende Basis, um mit dem Aufbau einer nationalen Spendenberichterstattung zu beginnen. Besonders die Datenquellen der amtlichen Statistiken können einen wesentlichen Teil der erforderlichen Angaben durch Sonderauswertungen bereitstellen. Es ist hervorzuheben, dass die amtliche Statistik durch eine Reihe erst in den letzten Jahren erfolgter methodischer Veränderungen über relativ gute Datenbestände zur Spendenthematik verfügt. Sie wurden bislang unzureichend genutzt und selbst die amtliche Statistik hatte diese Daten nicht tiefergehend erschlossen. Aufgrund ihrer Aussagefähigkeit, der ausgereiften Methodik, einer allgemeinen Verwendbarkeit und Zugänglichkeit sind diese Daten als eine unverzichtbare Informationsquelle für die nationale Spendenberichterstattung anzusehen. Zu den Datenquellen der Statistik gehören die jährlich erhobenen Laufenden Wirtschaftsrechnungen, die alle fünf Jahre durchgeführte Einkommens- und Verbrauchsstichprobe und die Daten der Lohn- und Einkommensteuerstatistik zu den steuerlich geltend gemachten Spenden. Die aus diesen Statistiken ermittelten Angaben zu Spenden ermöglichen Aussagen über das nationale Spendenaufkommen, die individuelle Spendenhöhe sowie zu Unterschieden in regionaler Hinsicht. Zudem lassen sich die Spender nach sozialstrukturellen und soziodemographischen Merkmalen differenzieren.

Die Angaben der amtlichen Statistik sind sinnvoll durch Ergebnisse aus kommerziellen Umfragen (Emnid-Spendenmonitor, GfK-Charity*Scope, Spenden in Deutschland) zu ergänzen. Diese liefern neben Aussagen zu monetären Aspekten des Spendens und zu Spendenverwendungszwecken auch Informationen zu Spendermotiven und Spendenformen. Das Datenmaterial dieser Erhebungen kann außerdem zu bestimmten strukturellen Fragen detaillierter analysiert werden. Folglich stellen die hier aufgeführten Ansätze eine sinnvolle Ergänzung zur amtlichen Statistik dar. Ob sie ebenfalls zu einem unverzichtbaren Bestandteil einer nationalen Spendenberichterstattung werden können, hängt wesentlich von den Zugangsmöglichkeiten zu den Daten und den entstehenden Kosten ihrer Nutzung ab.

Mit dem Freiwilligensurvey, der bislang zu zwei Erhebungszeitpunkten realisiert wurde, steht eine weitere Datenquelle zur Verfügung, die Angaben zum Spendenvolumen, zur individuellen Spendenhöhe, zur Spendenbeteiligung sowie zu den sozialstrukturellen Merkmalen der Spender liefert. Von Vorteil ist die kostenfreie Nutzung dieses Datensatzes.

Weitere Quellen, wie sie mit der Datenbank des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) auf Grundlage der Geschäftsberichte der Spendensiegel-Organisationen bereits vorliegen und mit „GuideStar Deutschland“, einem Projekt zur Errichtung einer Online-Datenbank, zukünftig verfügbar sein können, bieten Möglichkeiten einer Betrachtung aus der Perspektive der Organisationen. Die hier ausgewiesenen Angaben reflektieren damit im Unterschied zur Sicht der Spender jene der Spenden sammelnden Organisationen. Dadurch entstehen Möglichkeiten des Datenvergleichs aus unterschiedlichen Berichtsperspektiven. Außerdem ist eine Selektion der Angaben für bestimmte Organisationen nach verschiedenen Kriterien (z. B. Größe, Alter, Tätigkeitsfeld) möglich. Von Vorteil ist außerdem, dass die Angaben aus diesen Datenbanken öffentlich verfügbar sind.

 

Datenlücken und Wege ihrer Schließung

Während einerseits bereits ein stabiles Datenfundament für eine Basisberichterstattung besteht, sind andererseits noch beträchtliche Datenlücken vorhanden. Bei den Einzelspenden kann auf ein relativ breites Reservoir vorhandener und potentiell nutzbarer Datenbestände zurückgegriffen werden. Allerdings sind die Verwertungs- und Nutzungsmöglichkeiten der in Betracht kommenden Umfragedaten bislang nicht geklärt. Aus Kostengründen könnte es erforderlich werden, hier nach Alternativen zu suchen. Bei anderen Spendenbestandteilen stellt sich die Situation weitaus komplizierter dar. So sind die verfügbaren Informationen zu Erbschaften, Unternehmensspenden und Zuwendungen von Stiftungen zurzeit völlig unzureichend oder nur rudimentär vorhanden Es stellt sich deshalb die Frage, welche Strategien zu verfolgen sind, um diese Defizite zu beheben.

Zur Sicherung des Informationsbedarfs und zur Schließung von Datenlücken bei den Einzelspenden der Bevölkerung bieten sich zumindest vier unterschiedliche Wege an, die sich wechselseitig nicht ausschließen.

Eine erste Möglichkeit besteht (in Abhängigkeit von weiteren Erhebungen) in einer stärkeren Nutzung des Freiwilligensurveys. Die bislang nur drei Fragestellungen zu Spenden ließen sich mit relativ geringem Aufwand um eine Bestimmung der Spendenbereiche und der Spendermotive erweitern. Von Vorteil wäre die relativ hohe Stichprobe (15.000 Befragte), von Nachteil der große Erhebungsabstand (5 Jahre).

Als zweite Möglichkeit können weitere Standarderhebungen aus der Wissenschaft für die Bereitstellung von Daten zur Spendenthematik genutzt werden. Einen besonderen Stellenwert hat dabei das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das SOEP ist eine repräsentative Längsschnittstudie privater Haushalte in Deutschland, die seit 1984 jährlich bei denselben Personen und Familien Daten zur Erwerbs- und Familienbiografie, zu Einkommensverläufen, zur Gesundheit und Lebenszufriedenheit, zur Zeitverwendung, der sozialen Einbindung u.a. sozioökonomischen Merkmalen erhebt. Der Datensatz steht für Forschungszwecke zur Verfügung. Mit dem DIW ist auf kooperativer Basis zu verhandeln, ob und wie einige wenige Fragen zum Spendenverhalten in die Längsschnittstudie einzuschalten sind. Erste praktische Schritte hinsichtlich einer Testerhebung sind inzwischen realsisiert.

Eine dritte Möglichkeit eröffnet sich durch die Erschließung weiterer Umfragen wie dem European Social Survey, in denen bereits Spendenaktivitäten berücksichtigt werden. Der European Social Survey (ESS) ist eine auf Anregung der European Science Foundation (ESF) entstandene repräsentative Bevölkerungsumfrage, an deren erster Welle (2002/2003) 22 Länder teilgenommen haben. Die repräsentativen Bevölkerungsbefragungen in den beteiligten Ländern basieren auf einem einheitlichen Fragebogen zu verschiedenen Aspekten des politischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens, der durch länderspezifische Fragen sowie wechselnde Schwerpunktthemen ergänzt wird. In der ersten Welle gehörte zu den Schwerpunkten „Citizenship, Involvement, Democracy“. Durch die Bekundung eines starken Interesses an Spendendaten ist eine erneute Aufnahme entsprechender Fragestellungen in weiteren Erhebungswellen auf den Weg zu bringen.

Schließlich besteht eine vierte Möglichkeit darin, eine spezielle Erhebung zum Spendenverhalten durchzuführen. Für die Konzipierung und Durchführung einer solchen Erhebung bieten sich Kooperationen mit verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen und Institutionen an.

Weitaus komplizierter erweist es sich, die mangelhafte Datenlage bei Erbschaften, Unternehmensspenden und Zuwendungen durch Stiftungen zu verändern, da entsprechende empirische Basiserhebungen, auf die man bei den Einzelspenden zurückgreifen kann, hier erst noch zu schaffen sind. Für alle drei Bereiche liegen keine oder nur unzureichend gesicherte Angaben vor. Die bislang bekannten Daten auf der Basis von Organisationsanalysen reichen ebenso wenig aus wie Angaben aus der Schenkungs- und Erbschaftssteuerstatistik oder einer beim Bundesverband Deutscher Stiftungen geführten Stiftungsdatenbank. Gleichwohl ist zur Erarbeitung entsprechender konzeptioneller Grundlagen eine enge Kooperation mit diesen Institutionen erforderlich.

 

Basisberichterstattung, Erweiterungsmodule, Spezialberichterstattung und Spendenreport

Der Aufbau und die kontinuierliche Fortschreibung einer nationalen Spendenberichterstattung sind als eine recht komplexe Aufgabe zu verstehen. Dies resultiert einerseits aus der erforderlichen Berücksichtigung der unterschiedlichen Spendenbestandteile, andererseits aus dem Informationsbedarf eines breiten Nutzerkreises. Aus diesem Grunde erscheint es sinnvoll, die Spendenberichterstattung in verschiedene Module und Formen der Berichterstattung zu unterteilen. Der modulare Aufbau und die Erstellung verschiedener Berichtsformen sind als praktikabel anzusehen, da einzelne Bestandteile nur schrittweise und in einem unterschiedlichen zeitlichen Rahmen zu realisieren sind und eine solche Vorgehensweise die effektive Gestaltung von Aufwand und Ergebnis unterstützt.

Wichtige Stichworte, auf die in diesem Zusammenhang näher einzugehen ist, sind „Basisberichterstattung“, „Erweiterungsmodule“, „Spezialberichterstattung“ und „Spendenreport“.

Mit der Basisberichterstattung erfolgt in einer ersten Realisierungsphase (aufgrund der gegenwärtigen Datensituation) eine Konzentration auf die Einzelspenden der Bürger. Auswahlkriterium ist jedoch nicht allein die Datenverfügbarkeit, denn im Kontext der Einzelspenden werden Themen und Zusammenhänge aufgegriffen, die breites Interesse finden und über die deshalb regelmäßig zu berichten ist. Dabei ist mit den dargestellten wenigen, aber sehr aussagekräftigen Indikatoren zu arbeiten. Angaben der amtlichen Statistik können die zentrale Datenquelle dieser Basisberichterstattung sein.

 

Konzeption für die Deutsche Spendenberichterstattung

Für den Aufbau der nationalen Spendenberichterstattung ist ein Vorgehen in mehreren Stufen bzw. Phasen vorgesehen.

 

Abbildung 2: Aufbau und Struktur einer deutschen Spendenberichterstattung

 

Während die Basisberichterstattung bereits in der ersten Phase zu realisieren ist, steht die Erweiterung um die übrigen Module – Erbschaften, Unternehmensspenden und Zuwendungen von Stiftungen – erst in der zweiten Phase an.

Die periodische Basisberichterstattung (einschließlich ihrer schrittweisen modularen Erweiterung) ist durch thematisch und zeitlich wechselnde Spezialberichte zu ergänzen. Einen Bedarf an solchen Berichten im Rahmen einer Spendenberichterstattung belegen u. a. die bisherigen internationalen Erfahrungen. Die Spezialberichte decken den spezifischen Informationsbedarf bestimmter Zielgruppen ab oder sie wenden sich einer besonders aktuellen Thematik zu, die von allgemeinem Interesse ist. Kennzeichen für diese Berichtsform sind systematische und intensive Analysen von thematisch und zeitlich eng begrenzten Sachverhalten zur Spendenthematik. Beispiele für mögliche Spezialberichte sind Situationen besonderer Spendenintensität im Katastrophenfall, wie bei der Tsunami-Katastrophe 2004/2005 oder beim Erdbeben in Pakistan 2005. Diese Berichte können neben ihrer reinen Informationsfunktion durch eine Ausrichtung auf spezielle Nutzergruppen (z. B. Spender, Politiker, Fundraiser) Kommunikationsprozesse auslösen und zur Fundierung bestimmter Entscheidungen beitragen. Die Spezialberichterstattung ist im Vergleich zur Basisberichterstattung in der Themenwahl, der Periodizität und der Ausrichtung auf einen speziellen Nutzerkreis mit größeren Freiheitsgraden auszustatten.

Insgesamt sollte die Spendenberichterstattung ihre Ergebnisse öffentlich wirksam in einem Spendenreport präsentieren. Mit dieser jährlichen oder in einem Abstand von zwei Jahren erscheinenden Publikation sind die Analyseergebnisse der Basisberichterstattung und die Spezialberichte öffentlich zugänglich. Der Spendenreport muss sich durch einen Informationsgehalt auszeichnen der sowohl für Spezialisten (z. B. Fundraiser) als auch Laien interessant und verständlich ist - Zielgruppen sind also der interessierte Bürger, Praktiker aus dem Bereich der gemeinnützigen Organisationen, Medienvertreter, Politiker und Wissenschaftler. Der Spendenreport sollte eine ausgewogene Mischung von Text, Tabellen und Abbildungen enthalten und allgemein zugänglich sein.

 

Rahmenbedingungen und Organisationsvorschläge

Um die konzipierte Spendenberichterstattung in Deutschland erfolgreich zu installieren und sie so zu gestalten, dass sie den breiten Informationsbedürfnissen Rechnung trägt, sind geeignete finanzielle, personelle und organisatorische Rahmenbedingungen erforderlich. An dieser Stelle ist deshalb auf einige elementare Voraussetzungen näher einzugehen.

Die Beschreibung der Anforderungen und Vorschläge zur Organisation der Spendenberichterstattung konzentriert sich auf vier Gesichtspunkte: Institutionelle Infrastruktur, personelle Erfordernisse, Finanzbedarf und Finanzierung sowie Sicherung der Perspektiven durch weitere Forschungs- und Entwicklungsleistungen.

In Anlehnung an internationale Erfahrungen ist die An- und Einbindung einer nationalen Spendenberichterstattung an eine unabhängige und neutrale Institution zwingend erforderlich. Durch diese Organisation sind die Analysen für die Spendenberichterstattung durchzuführen und sie hat zugleich die Publikation der Ergebnisse vorzunehmen. Wie sich entsprechend der Darstellung zur Datensituation und zu den Datenquellen zeigt, muss diese Institution sich nicht in erster Linie der Primärerhebung von Spendendaten widmen, sondern sie kann sich darauf konzentrieren, vorhandene Angaben zu sammeln, aufzubereiten, methodisch zu bewerten und zu interpretieren.

Für die institutionelle Anbindung eines solchen Berichtssystems kommen in Deutschland vor allem zwei Organisationen in Frage. Zum einen handelt es sich um das Statistische Bundesamt, das mit seiner Öffentlichkeitsfunktion und der Verfügbarkeit über bestimmte Spendendaten bestimmte Voraussetzungen zur Realisierung einer Spendenberichterstattung erfüllen würde. Als nachteilig erweist sich allerdings, dass die relativ festen und nur schwer zu verändernden Strukturen dieser staatlichen Institution wenig Raum für ein solches Vorhaben lassen. Hinzu kommt, dass die amtliche Statistik keine subjektiven Indikatoren verwendet. Gerade diese sind aber für eine qualifizierte Spendenberichterstattung unverzichtbar. Auch in der internationalen Praxis ist die Zuständigkeit der amtlichen Statistik für eine nationale Spendenberichterstattung nicht die Regel, sondern meist sind unabhängige Organisationen, aus dem Nonprofit-Bereich, die formell den Status einer Stiftung oder einer anderen Rechtsform von Nonprofit-Organisationen haben, zuständig. In Deutschland erfüllt das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) entsprechende Anforderungen in einem besonderen Maße. Es ist den formalen Kriterien nach eine Nonprofit-Organisation und ist in einem besonderen Maße mit der Spendenthematik vertraut. Hinzu kommt, dass das DZI weitere Vorzüge aufweist, die es als zuständige Institution für eine deutsche Spendenberichterstattung geeignet ausweisen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang die umfangreichen theoretischen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen bei der Vergabe des Spendensiegels und bei der jährlichen Publizierung des „DZI Spenden-Almanach“. Das Institut verfügt u. a. über eine Datenbank zu Spenden sammelnden Organisationen und hat bereits darüber hinaus eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut. Von Vorteil ist auch, dass das DZI institutionell in internationale Netzwerke zur Spendenthematik eingebunden ist und über vielfältige bilaterale Kontakte verfügt. Mit seinem „DZI Spenden-Almanach“ kann das Institut beachtliche Erfahrungen bei der Erstellung einer öffentlichkeitswirksamen Publikation vorweisen. Mit dem „Spenden-Almanach“ wurden bereits bestimmte Elemente und Formen einer Spendenberichterstattung verwirklicht, die für die Anfertigung eines Spendenreports sehr hilfreich sein können.

Obwohl das DZI hinsichtlich seiner Voraussetzungen und besonders den internen institutionellen und thematischen Strukturen für den Aufbau und die Bearbeitung der deutschen Spendenberichterstattung besonders geeignet ist, kann es die im Umfang und in der Reichweite neue Aufgabenstellung nicht ohne zusätzliches Potential realisieren. Notwendig ist eine entsprechende Finanzierung der Datenbeschaffung, des erforderliche Personals (1-1,5 Personalstellen) und der Publikation des Spendenreports. Als Finanzierungsquelle ist eine öffentliche Anschubfinanzierung vorgesehen, denn bei einer Spendenberichterstattung handelt es sich auch um Fragen des Spenderschutzes. Doch auch durch die Bereitstellung von Stiftungsmitteln oder die Unterstützung von anderen Nonprofit-Organisationen ist für eine Mobilisierung der benötigten Mittel denkbar. Gespräche für die Entwicklung einer tragfähigen Finanzierungsstruktur mit potenziellen Geldgebern wurden Seitens des DZI aufgenommen. Der gegenwärtige Gesprächsstand lässt hoffen, dass eventuell bereits 2007, spätestes aber 2008 erstmalig ein umfangreicher und fundierter Spendenreport für Deutschland erstellt werden kann.  

 

Organisatorisch hat für eine Spendenberichterstattung in Deutschland neben der institutionellen Zuständigkeit die Entwicklung entsprechender Kooperationsstrukturen einen besonderen Stellenwert. Die starke Trennung von Datenerhebung, Datensammlung, Datenanalyse und Interpretation, die sich durchaus als effektiv erweisen kann, macht einerseits eine enge Zusammenarbeit mit jenen Institutionen erforderlich, die Daten erheben oder über entsprechende Quellen verfügen (Amtliche Statistik, Umfrageinstitute). Gleichzeitig ist besonders die Kooperation mit Wissenschaftlern von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen für vertiefende Analysen angebracht. Für den schrittweisen Aufbau und die ständige Qualifizierung ist außerdem eine gewisse Mitwirkung potenzieller Nutzer anzustreben. Vorzusehen ist deshalb die Einrichtung eines Gremiums, das als unabhängiger Beirat den von verschiedenen Seiten geforderten Aufbau der Spendenberichterstattung begleitet. Die inhaltlichen, methodischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine Spendenberichterstattung sind mit dem vorgelegten Projektbericht geschaffen worden. Seine Realisierung sollte unter den Gesichtspunkten einer aktuell anstehenden Reform des Gemeinnützigkeitsrechts, den langjährigen Forderungen nach mehr Transparenz im Nonprofit-Bereich und auch zur Verbesserung des Spenderschutzes weit oben auf der Agenda der Aufgaben für das Jahr 2007 stehen.

 

Autor: Dr. sc. Eckhard Priller ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Ungleichheit und soziale Integration des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Schwerpunkte seiner Forschung sind der Dritte Sektor und zivilgesellschaftliches Engagement, u. a. Mitarbeit an der deutschen Teilstudie des Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector Project.

Aktuelle Publikationen: Dritter Sektor/Drittes System. Theorie, Funktionswandel und zivilgesellschaftliche Perspektiven, Wiesbaden 2005 (gemeinsam herausgegeben mit Karl Birkhölzer/Ansgar Klein/Annette Zimmer.